Forschungsschwerpunkt 3

Wachstum und Entwicklung

Obwohl tagtäglich Krisen die Schlagzeilen bestimmen, ist die Bilanz der sozioökonomischen Entwicklung der letzten 25 Jahre außerordentlich – in vielen, wenn auch nicht in allen Teilen der Welt. Stabiles Wirtschaftswachstum hat das Leben vieler Menschen zum Positiven verändert und vor allem in Ostasien viele aus der Armut befreit. Erfolgsgeschichten gibt es auch aus dem subsaharischen Afrika, aus Südasien und Lateinamerika. Auch wenn es verfrüht ist, vom "Aufstieg Afrikas" zu sprechen, werden die Entwicklungsaussichten des Kontinents heute wesentlich positiver gesehen als noch vor 15 Jahren. Wirtschaftswachstum und eine Verringerung der Einkommensarmut gingen vielerorts einher mit Fortschritten in nicht einkommensbezogenen Dimensionen von Wohlstand, etwa im Zugang zu Schulbildung. Eine Schattenseite der wirtschaftlichen Entwicklung ist die weiterhin extreme Ungleichheit in vielen Entwicklungsländern. Allerdings konnte in Lateinamerika in den 2000er Jahren diese Ungleichheit auch durch die Ausweitung von Sozialprogrammen gemindert werden. Eine weitere große Herausforderung bildet außerdem die Umweltqualität, die sich in vielen schnell wachsenden Volkswirtschaften dramatisch verschlechtert hat.. Das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern wirkt also nicht nur lokal, sondern belastet ein globales Gemeingut.

Um zu den heutigen Industrienationen aufzuschließen, müssen die Entwicklungsländer noch für einen längeren Zeitraum Wirtschaftswachstum erreichen. Der Enthusiasmus des frühen 21. Jahrhunderts ist inzwischen der Sorge über die Nachhaltigkeit der erzielten Fortschritte gewichen. Die Wachstumsverlangsamung in China und das damit einhergehende Ende des Rohstoffbooms hatte für verschiedene Länder des subsaharischen Afrikas und Lateinamerikas – vor allem Brasilien – nachteilige Auswirkungen. Die Bedenken hinsichtlich einer "Falle der mittleren Einkommen" (sog. "Middle Income-Trap") werden lauter. Das bedeutet, dass das Einkommensniveau deutlich unter dem von Industrieländern verharrt, während die typischen Merkmale eines Entwicklungslands erhalten bleiben – darunter zum Beispiel ein großer informeller Sektor. Auch der angenommene Aufstieg einer neuen Mittelschicht in den Entwicklungsländern, der als Katalysator für künftigen sozioökonomischen Wandel dienen könnte, ist möglicherweise bereits beendet, bevor er sich voll entfalten konnte. Ohne eine breite Wachstumsbasis und einen Aufstieg einer Mittelschicht aber ist unwahrscheinlich, dass das soziale Gefälle abgebaut werden kann, das in den meisten Entwicklungsländern vorherrscht.

Die Forschungsagenda des Forschungsschwerpunkts "Wachstum und Entwicklung" konzentriert sich angesichts dieser Entwicklungen auf die folgenden drei Leitfragen:

  • Wie beeinflussen globale sozioökonomische Veränderungen Muster des Wachstums und des strukturellen Wandels in den Regionen des "globalen Südens" und umgekehrt?
  • Sind diese Muster inklusiv und nachhaltig?
  • Wie können mögliche Zielkonflikte zwischen inklusivem Wachstum und Nachhaltigkeit bewältigt werden?

Apl. Prof. Dr. Jann Lay

Komm. Direktor des GIGA Institut für Afrika-Studien
Leitung FSP 3
jann.lay@giga-hamburg.de

Ausgewählte Publikationen

Meike Hohberg / Jann Lay

The impact of minimum wages on informal and formal labor market outcomes: Evidence from Indonesia

IZA Journal of Labor and Development, 4, 2015, 14

Kerstin Nolte / Lieske Voget-Kleschin

Consultation in Large-Scale Land Acquisitions: An Evaluation of Three Cases in Mali

World Development, 64, 2014, 654–668

Birte Pfeiffer / Peter Mulder

Explaining the diffusion of renewable energy technology in developing countries

Energy Economics, 40, 2013, 285–296

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