GIGA Vortrag
Vom belächelten Verbund zum geopolitischen Machtzentrum
22.04.2026 - 07.10.2026
Im 21. Jahrhundert vollzieht sich ein fundamentaler Wandel von einer unipolaren zu einer multipolaren Welt. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die BRICS-Gruppe. Was 2001 als ökonomischer Verbund begann, ist heute ein komplexes Bündnis mit weitreichenden Ambitionen: Die Reform globaler Governance-Strukturen, die Herausforderung der westlichen Dominanz und die Schaffung alternativer Finanzsysteme.
Die BRICS-Staatengruppe, ein ursprünglich auf ökonomischen Prognosen basierendes Konzept, hat sich im 21. Jahrhundert zu einem der prägendsten Akteure der globalen Neuordnung entwickelt. Was im Jahr 2001 als ein Akronym des Ökonomen Jim O'Neill zur Beschreibung der aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) begann, ist heute ein komplexes geopolitisches Bündnis mit weitreichenden Ambitionen. Die formelle Gründung der Gruppe erfolgte 2009, und mit der Aufnahme Südafrikas im Jahr 2010 wurde sie zu BRICS. Die jüngste Erweiterungswelle seit 2024 hat die Gruppe zu einem noch einflussreicheren Verbund ausgebaut, der informell als BRICS+ bezeichnet wird.
Doch die BRICS sind kein monolithischer „Anti-West-Block“. Sie sind eine heterogene Koalition mit losen Strukturen, geprägt von enormer ökonomischer Macht als „Rohstoff-Supermacht“, aber auch von tiefgreifenden internen Rivalitäten, insbesondere zwischen Indien und China.
Diese Reihe beleuchtet die Vielschichtigkeit dieses Bündnisses, das durch die jüngste Erweiterung zu BRICS+ mehr denn je als vereinte Stimme des Globalen Südens auftritt. Wir analysieren ihre Strategien zwischen pragmatischer „diversifizierter Abhängigkeit“, dem Streben nach Entdollarisierung und dem Dilemma zwischen Wachstum und Klimaverantwortung.
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.
Dr. Matthias Greite (Landeszentrale für pol. Bildung) Prof. Dr. Miriam Prys-Hansen (GIGA)
Auftaktveranstaltung: Geopolitische Verantwortung – BRICS und die Neuordnung der Welt Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch
Mittwoch, 22. April 2026 | 19.00-20.30 Uhr (MESZ)
Ort: Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
Die BRICS-Staaten sind zu einem zentralen Akteur in einer Welt geworden, die sich von einer unipolar-westlichen zu einer multipolaren Ordnung wandelt. Das übergeordnete Ziel der Gruppe ist die Forderung nach einer grundlegenden Reform der globalen Governance-Strukturen, wie den Vereinten Nationen und den Bretton-Woods-Institutionen, um die westliche Dominanz zu überwinden und eine gerechtere Machtverteilung zu erzielen. Die Länder Brasilien und Indien streben beispielsweise einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Südafrikas Sonderbotschafter Anil Sooklal betont die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Weltordnung.
Trotz dieser ambitionierten Rhetorik ist die interne Struktur der BRICS-Gruppe bemerkenswert lose. Sie ist ein Staatenverbund ohne gemeinsames sicherheitspolitisches Verständnis. Anders als formelle Organisationen wie die G7 oder die EU verfügt die Gruppe über kein formelles Statut, keinen eigenen Haushalt und kein permanentes Sekretariat. Die Präsidentschaft rotiert jährlich, was die Verfolgung einer kohärenten, langfristigen Agenda erschwert. Dieser grundlegende Mangel an interner Kohäsion steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den externen Forderungen nach einer umfassenden Reform der Weltordnung. Eine Gruppe, die selbst keine robuste institutionelle Struktur besitzt, strebt danach, die institutionell gefestigten globalen Governance-Strukturen fundamental umzugestalten. Dies lässt vermuten, dass die BRICS-Bestrebungen weniger auf der Fähigkeit zu einer straffen Organisation als auf der symbolischen Kraft einer vereinten Stimme des Globalen Südens beruhen. Ihre geopolitische Macht liegt in der Demonstration ihrer kollektiven Unzufriedenheit und der potenziellen Schaffung einer alternativen Ordnung.
Ein Land wie Brasilien illustriert die Komplexität dieser geopolitischen Dynamik. Als Brückenbauer zwischen dem Globalen Süden und den etablierten Industriestaaten möchte es seine Interessen selbstbewusst vertreten und in einer komplexen Weltordnung auf Augenhöhe agieren. Das Streben nach Diversifizierung der internationalen Beziehungen ist ein Kernmotiv vieler BRICS-Staaten. Neumitglieder wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate versprechen sich ebenfalls eine stärkere Diversifizierung ihrer Beziehungen, bleiben dem Westen aber weiterhin verbunden. Für viele Mitglieder ist die BRICS-Mitgliedschaft daher weniger ein anti-westliches Bündnis als vielmehr eine pragmatische Strategie zur Reduzierung der einseitigen Abhängigkeit. Dieses Modell der „diversifizierten Abhängigkeit“ macht die geopolitische Landschaft weitaus komplexer, als eine einfache binäre Teilung in „Ost vs. West“ suggerieren würde.
Die ökonomische Macht der Gruppe ist unbestreitbar. Mit der Erweiterung hat die Gruppe ihre Rolle als „Rohstoff-Supermacht“ ausgebaut, die 43 Prozent des weltweiten Erdöls produziert. Diese ökonomische und strategische Bedeutung ist ein entscheidender Hebel für ihre globalen Ambitionen.
Die erste Veranstaltung dieser Reihe widmet sich der Frage, ob die BRICS-Staaten den Takt für die Neuordnung der Welt mit angeben. Denn während die etablierten Bretton-Woods-Institutionen unter Druck geraten, formiert sich mit den BRICS-Staaten ein Schwergewicht, das eine gerechtere Machtverteilung fordert. Doch ist die Gruppe bereit für die geopolitische Verantwortung? Zwischen interner Kohäsion und globalem Gestaltungsanspruch analysieren wir die Chancen und Widersprüche dieses dynamischen Staatenbundes.
Referent:innen: Prof. Dr. Miriam Prys (GIGA) Dr. Claudia Zilla (Stiftung Wissenschaft und Politik) Dr. Sabine Mokry (Universität Hamburg, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik)
Moderation: André Schünke (NDR)
Innere Dynamik – Das fragile Gleichgewicht zwischen Indien und China Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch
Mittwoch, 20. Mai 2026 | 19.00-20.30 Uhr (MESZ)
Ort: Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
Die Beziehung zwischen Indien und China ist das zentrale Spannungsfeld innerhalb der BRICS. Die beiden Länder, die zusammen die größte Bevölkerung der Erde repräsentieren, sind nicht nur Wirtschaftsgiganten, sondern auch Rivalen mit einer langen Geschichte von Grenzkonflikten. Der Konflikt im Galwan-Tal im Jahr 2020 führte zu einem fünfjährigen diplomatischen Stillstand auf höchster Ebene.
Die BRICS-Gipfel haben sich in diesem Kontext als eine wichtige Plattform für diplomatische Annäherung erwiesen. Auf dem Gipfel 2024 in Russland trafen Premierminister Narendra Modi und Präsident Xi Jinping zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder direkt aufeinander. Dieses Treffen wurde von Indien gezielt genutzt, um diplomatische Beziehungen zu verbessern und den Grenzkonflikt zu deeskalieren. In diesem Jahr intensiviert Indien diese diplomatische Strategie, auch aufgrund der hohen Strafzölle, die die USA Indien auferlegt hat. Durch die erneute Annäherung Indiens an China will sich Indien alle Optionen offenhalten.
Dieses Vorgehen zeigt, dass die BRICS-Gruppe eine zweite, ungeschriebene Funktion erfüllt: Sie dient als informeller Kanal und als neutraler Boden für Konfliktmanagement und diplomatische Deeskalation zwischen rivalisierenden Mitgliedern. Ohne dieses Forum könnten bilaterale Spannungen die Stabilität des gesamten Bündnisses gefährden.
Trotz dieser diplomatischen Annäherungen bleibt die Rivalität bestehen. China hat wirtschaftlich eine fünfmal größere Volkswirtschaft als Indien und treibt die BRICS-Erweiterung aktiv voran, was in Indien Besorgnis auslöst. Indien hat sich daher für klare Kriterien bei der Aufnahme neuer Mitglieder ausgesprochen, um eine zu große Dominanz Pekings zu verhindern. Auch im Bereich der Finanzpolitik gibt es Wettbewerb: Indien bietet sein eigenes Zahlungssystem UPI an, während China seine eigenen Entwicklungen vorantreiben möchte, was die Schaffung eines einheitlichen BRICS-Zahlungssystems behindert.
Diese Beziehung ist nicht nur eine bilaterale Angelegenheit, sondern die zentrale Machtdynamik innerhalb der BRICS. Indien agiert bewusst als Gegengewicht zu Chinas Bestrebungen, um die Gruppe vor einer zu einseitigen Ausrichtung zu bewahren. Dieser interne Wettbewerb stellt sowohl eine potenzielle Schwäche dar, da er die Einigkeit der Gruppe hemmt, als auch eine Stärke, da er eine zu große Abhängigkeit von einer einzigen Macht verhindert und die grundlegende Heterogenität des Bündnisses sichert. Gleichzeitig besteht ein Kooperationswillen: Indien hat zugesagt, China bei der Ausrichtung des BRICS-Gipfels 2027 zu unterstützen, während China Indiens Vorsitz 2026 unterstützen wird.
Die Veranstaltung beleuchtet diese fragile Dynamik – ein Spannungsfeld, das nicht nur die Zukunft der BRICS, sondern die globale Ordnung entscheidend prägen wird.
Referent:innen: Dr. Julia Gurol-Haller (GIGA) Prof. Dr. Cathrin Mohr (Universität Hamburg) Dr. Christian Wagner (Stiftung Wissenschaft und Politik)
Moderation: Siri Keil (NDR)
Finanz- und Handelspolitik – Jenseits des Dollars? Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch
Mittwoch, 10. Juni 2026 | 19.00-20.30 Uhr (MESZ)
Ort: Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
Ein zentraler Pfeiler der BRICS-Agenda ist die Herausforderung des von den USA dominierten globalen Finanzsystems. Die Gruppe verfolgt die Strategie der Entdollarisierung, um die Abhängigkeit vom US-Dollar als primärer Währung für internationale Finanztransaktionen zu reduzieren. Eine der Hauptmotivationen hierfür ist die als "Waffe" eingesetzte Anwendung von US-Sanktionen. Als konkrete Maßnahmen werden die Schaffung einer potenziellen BRICS-Währung, gestützt durch einen Währungskorb, und die Entwicklung eines Blockchain-basierten Zahlungssystems namens „BRICS Bridge“ diskutiert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die New Development Bank (NDB), die 2014 von den Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen wurde, um die finanzielle und entwicklungspolitische Zusammenarbeit zu fördern. Die NDB ist eine multilaterale Entwicklungsbank mit Hauptsitz in Shanghai, deren Kapital und Stimmrecht gleichmäßig unter den Gründungsmitgliedern verteilt sind. Der Präsidentenposten rotiert, was eine geteilte Führung symbolisiert. Die NDB sollte eine Alternative zu den westlich dominierten Finanzinstitutionen wie dem IWF und der Weltbank darstellen.
Die Ambitionen der BRICS-Länder, ein paralleles Finanzsystem aufzubauen, sehen sich jedoch erheblichen Hindernissen gegenüber. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist die Reaktion der NDB auf die westlichen Sanktionen gegen Russland. Obwohl Russland ein Gründungsmitglied ist und die NDB zur Reduzierung der Abhängigkeit vom Dollar geschaffen wurde, musste die Bank alle neuen Transaktionen in Russland aufgrund der globalen Sanktionsregime auf Eis legen. Dieses Ereignis zeigt auf, dass selbst eine BRICS-eigene Institution nicht immun gegenüber dem bestehenden Finanzsystem ist und illustriert die Macht und den Einfluss des Dollars, den die BRICS bekämpfen wollen. Die NDB musste ihre eigene finanzielle Integrität schützen, ein Schritt, der ihre Fähigkeit, als alternative Machtbasis zu agieren, in Frage stellt. Dieser „Realitäts-Check“ verstärkt die Notwendigkeit für die Gruppe, noch radikalere Alternativen wie das „BRICS Bridge“ Blockchain-System voranzutreiben.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die interne Dynamik. Obwohl alle Mitglieder das gemeinsame Ziel der Entdollarisierung teilen, gibt es innerhalb der Gruppe erhebliche Rivalitäten, insbesondere zwischen Indien und China. Der Handel innerhalb der BRICS ist stark auf China zentriert, und die restlichen Mitglieder haben nur wenige Handelsbeziehungen untereinander. Hinzu kommt der offene Wettbewerb um die Vorherrschaft bei der Schaffung eines alternativen Zahlungssystems. Während Indien sein eigenes System, das Unified Payments Interface (UPI), vorschlägt, setzt China auf eigene Entwicklungen. Dies stellt ein kollektives Handlungsdilemma dar: Das gemeinsame Ziel wird durch nationale Interessen behindert, da jeder Akteur möchte, dass sein eigenes System zum internationalen Standard wird. Dies könnte dazu führen, dass die Entdollarisierung eher bilateral zwischen einzelnen BRICS-Staaten – wie im Handel zwischen Russland und China – als kollektiv voranschreitet.
Referent:innen: Prof. Dr. Rolf J. Langhammer (ehemaliger Vizepräsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft) Prof. Dr. Heribert Dieter (Stiftung Wissenschaft und Politik)
Moderation: André Schünke (NDR)
Die BRICS-Erweiterung – Von BRICS zu BRICS+ Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch
Mittwoch, 9. September 2026 | 19.00-20.30 Uhr (MESZ)
Ort: Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
Die BRICS-Gruppe hat in ihrer Geschichte zwei wesentliche Erweiterungswellen erlebt. Nach der Aufnahme Südafrikas im Jahr 2010 erfolgte die jüngste und weitaus strategischere Expansion. Auf dem 15. Gipfel im August 2023 in Johannesburg wurde die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern beschlossen. Zum 1. Januar 2024 traten Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate bei. Argentinien, das ebenfalls eingeladen worden war, zog seine Mitgliedschaftsantrag zurück, während Saudi-Arabien seine Entscheidung verzögerte. Im Jahr 2025 trat zudem Indonesien der Gruppe als Vollmitglied bei.
Die BRICS-Expansion ist ein klarer Ausdruck ihres wachsenden Selbstbewusstseins. Die neue BRICS+-Gruppe repräsentiert nach Angaben von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bis zu 37 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und 46 Prozent der Weltbevölkerung. Die Erweiterung wird als ein Schritt verstanden, die Perspektiven des Globalen Südens stärker in den Mittelpunkt globaler Diskussionen zu rücken. Es haben etwa 40 weitere Länder Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet.
Diese Entwicklung markiert einen deutlichen Wandel in der Motivation der Gruppe. Die ursprüngliche Idee der BRIC-Staaten von Jim O'Neill basierte rein auf ökonomischen Prognosen. Die jüngste Erweiterung, insbesondere die Aufnahme von geopolitisch wichtigen Staaten wie Iran und Äthiopien, unterstreicht, dass die Kriterien über die reine Wirtschaftskraft hinausgehen. Die Gruppe hat sich von einer Investoren-Abkürzung zu einem bewussten geopolitischen Akteur entwickelt. Die Auswahl neuer Mitglieder ist strategisch motiviert, um die globale Relevanz zu erhöhen, auch wenn dies die interne Kohäsion auf ökonomischer und politischer Ebene gefährdet.
Um die steigende Nachfrage nach Mitgliedschaft zu kanalisieren, wurde auf dem Gipfel 2024 in Kasan eine neue Kategorie von „Partnerländern“ geschaffen, die es den BRICS-Staaten ermöglicht, mit weiteren Ländern zu kooperieren, ohne diese sofort als Vollmitglieder aufnehmen zu müssen. Die Schaffung dieses Partner-Status, zu dem auch Nigeria und Thailand eingeladen wurden, ist ein pragmatischer Schritt. Es handelt sich um ein gestuftes Modell der Koalitionsbildung, das die Reichweite der Gruppe erhöht, ohne ihre Entscheidungsfindung durch die potenziellen Konflikte, die mit einer Vollmitgliedschaft verbunden sind, sofort zu lähmen.
Doch was bedeutet dieser Aufstieg des Globalen Südens für die internationale Ordnung? Warum streben immer mehr Staaten eine Annäherung an BRICS an? Und wie verändert der neue Partnerstatus das Machtgefüge innerhalb dieser wachsenden Koalition? Unsere Veranstaltung beleuchtet die geopolitischen Motive hinter der jüngsten Erweiterungswelle, wie BRICS+ die globale Architektur herausfordert und was diese neue Ära der Allianz für uns bedeutet.
Referent:innen: Dr. Melanie Müller (Stiftung Wissenschaft und Politik) Dr. Sabine Mokry (Universität Hamburg, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik) Dr. Daniel Marwecki (University of Hongkong)
Moderation: André Schünke (NDR)
Nachhaltigkeit – Globale Verantwortung und der Weg zur Bioökonomie Diskussionsrunde mit Publikumsgespräch
Mittwoch, 7. Oktober 2026 | 19.00-20.30 Uhr (MESZ)
Ort: Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
Rasantes Wirtschaftswachstum, steigende Emissionen und der weltweite Wettlauf um Ressourcen – die BRICS-Staaten stehen wie kaum eine andere Ländergruppe im Spannungsfeld zwischen ökologischer Verantwortung und ökonomischer Dynamik. Das rasche Wirtschaftswachstum hat einen erheblichen Anstieg der Energie- und Rohstoffnutzung und damit der Emissionen zur Folge. Die Aufnahme von neuen Mitgliedern, insbesondere von großen Produzenten fossiler Brennstoffe wie Iran und den VAE, verstärkt die Rolle der Gruppe als „Rohstoff-Supermacht“. Mit einem Anteil von über 40 Prozent an den globalen CO₂-Emissionen und einer wachsenden Rolle als „Rohstoff-Supermacht“ prägen sie zunehmend die internationale Nachhaltigkeitsagenda.
Die Nachhaltigkeitsagenda der BRICS-Mitgliedsstaaten ist von einem grundlegenden Zielkonflikt geprägt. Die Gruppe kann nicht gleichzeitig eine "Rohstoff-Supermacht" bleiben und ihren globalen Emissionsanteil signifikant senken, ohne ihr Wachstumsmodell grundlegend zu ändern. Ihre Klimadiplomatie ist daher ein strategischer Versuch, diesen Konflikt zu externalisieren, indem sie von den Industrieländern Klimafinanzierung, Technologie-Transfer und Kapazitätsaufbau fordert. Die BRICS-Länder haben sich auf Umweltziele wie städtisches Umweltmanagement und Biodiversität geeinigt und unterstreichen die Notwendigkeit von grünen Innovationen.
Die Umwelt- und Klimapolitik der BRICS ist daher mehr als nur Umweltschutz – sie ist ein zentraler Bestandteil ihrer geopolitischen Strategie. Brasilien nutzt beispielsweise seinen BRICS-Vorsitz und die bevorstehende COP30, um sich als globaler Führer im Klimaschutz zu positionieren. Durch die Fokussierung auf Klimagerechtigkeit verlagern die BRICS die globale Diskussion weg von der historischen "Schuldfrage" der Emissionen hin zur Frage der "Gerechtigkeit" und der "Finanzierung". Dies ermöglicht es ihnen, ihre Rolle in der internationalen Diplomatie zu stärken und die traditionelle G7-Agenda zu diversifizieren.
Welche politischen Strategien verfolgen die BRICS, um Wachstum und Klimaschutz in Einklang zu bringen? Wie verändert die Aufnahme neuer ressourcenstarker Mitglieder wie Iran und der VAE die globale Machtbalance? Und welche Chancen ergeben sich aus ihrem wachsenden Fokus auf Klimagerechtigkeit, Biodiversität und grüne Innovationen – auch im Hinblick auf die Entwicklung einer globalen Bioökonomie?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Nachhaltigkeit – Globale Verantwortung und der Weg zur Bioökonomie“. Gemeinsam beleuchten wir die geopolitischen Dimensionen der BRICS-Nachhaltigkeitspolitik, die Rolle großer Schwellenländer auf dem Weg zu klimafreundlichen Wirtschaftsmodellen sowie Perspektiven für eine gerechtere internationale Zusammenarbeit.
Moderation: André Schünke (NDR)
Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen, Am Hühnerposten, 20097 Hamburg
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