GIGA Focus Global

Frieden durch Verfassungsänderungen? Möglichkeiten und Tendenzen

Nummer 4 | 2011 | ISSN: 1862-3581


  • Voraussichtlich am 9. Juli 2011 endet die Gültigkeit der Übergangsverfassung des Sudan mit der per Referendum entschiedenen Unabhängigkeit des Südsudan. Fünf Jahre lang hatte die Verfassung dazu beigetragen, dass es deutlich weniger Gewalt zwischen Regierung und südsudanesischen Rebellen gab (während in der Provinz Darfur der Krieg tobte).

    Analyse Die Ereignisse im Sudan könnten paradigmatisch dafür sein, dass die friedenspolitischen Chancen von Verfassungsänderungen oftmals übersehen werden.

    • Verfassungsänderungen bieten weitreichende Möglichkeiten, um auf Konflikte in ethnisch oder anderweitig gespaltenen Gesellschaften einzuwirken. Allerdings wird dieses Potenzial selten genutzt.

    • Festlegungen zur Staatsform, zentralen Entscheidungsregeln und Minderheitenrechten in Verfassungen sollten für alle ehemaligen Kriegsparteien einen besonders verbindlichen Charakter haben.

    • Verfassungsänderungen und Friedensschlüsse bei innerstaatlichen Gewaltkonflikten stehen in einem komplexen Verhältnis zueinander. Nicht immer erfolgen die Verfassungsänderungen nach Friedensschlüssen. Friedens- und Verfassungsreformprozesse sind oft langwierig und vielteilig.

    • Im Zeitraum von 2005 bis 2010 gab es in Afrika, Asien, Lateinamerika und der MENA-Region lediglich vier Länder mit gespaltenen Gesellschaften (Burundi, Irak, Nepal, Sudan), die sowohl einen Friedensschluss als auch eine bedeutsame Verfassungsänderung erlebt haben, welche auf die Konfliktursachen Einfluss nahmen.

    • Immerhin lassen sich weitere Fälle identifizieren, in denen Verfassungsänderungen entweder a) konfliktpräventiv genutzt werden, oder b) als Lektion aus schon länger anhaltenden Spannungen gelten können (Bolivien, Ecuador, Kenia, Zanzibar/Tanzania).


    Fußnoten


      Voraussichtlich am 9. Juli 2011 endet die Gültigkeit der Übergangsverfassung des Sudan mit der per Referendum entschiedenen Unabhängigkeit des Südsudan. Fünf Jahre lang hatte die Verfassung dazu beigetragen, dass es deutlich weniger Gewalt zwischen Regierung und südsudanesischen Rebellen gab (während in der Provinz Darfur der Krieg tobte).

      Analyse Die Ereignisse im Sudan könnten paradigmatisch dafür sein, dass die friedenspolitischen Chancen von Verfassungsänderungen oftmals übersehen werden.

      • Verfassungsänderungen bieten weitreichende Möglichkeiten, um auf Konflikte in ethnisch oder anderweitig gespaltenen Gesellschaften einzuwirken. Allerdings wird dieses Potenzial selten genutzt.

      • Festlegungen zur Staatsform, zentralen Entscheidungsregeln und Minderheitenrechten in Verfassungen sollten für alle ehemaligen Kriegsparteien einen besonders verbindlichen Charakter haben.

      • Verfassungsänderungen und Friedensschlüsse bei innerstaatlichen Gewaltkonflikten stehen in einem komplexen Verhältnis zueinander. Nicht immer erfolgen die Verfassungsänderungen nach Friedensschlüssen. Friedens- und Verfassungsreformprozesse sind oft langwierig und vielteilig.

      • Im Zeitraum von 2005 bis 2010 gab es in Afrika, Asien, Lateinamerika und der MENA-Region lediglich vier Länder mit gespaltenen Gesellschaften (Burundi, Irak, Nepal, Sudan), die sowohl einen Friedensschluss als auch eine bedeutsame Verfassungsänderung erlebt haben, welche auf die Konfliktursachen Einfluss nahmen.

      • Immerhin lassen sich weitere Fälle identifizieren, in denen Verfassungsänderungen entweder a) konfliktpräventiv genutzt werden, oder b) als Lektion aus schon länger anhaltenden Spannungen gelten können (Bolivien, Ecuador, Kenia, Zanzibar/Tanzania).



      Impressum

      Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

      Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

      GIGA Focus Afrika | 12/2011

      Mosambik: Mehr Zeit für den Präsidenten?

      Henrik Maihack

      Benachrichtigungen

      Melden Sie sich hier für E-Mail-Benachrichtigungen zu GIGA-Aktivitäten an

      Soziale Medien

      Folgen Sie uns