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GIGA Focus Afrika

Zehn entscheidende Entwicklungen in Afrika im Jahr 2018

Nummer: 1 | 03/2018 | ISSN: 1862-3603


Im Zentrum der Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent im vergangenen Jahr standen die G20-Partnerschaftskonferenz und der AU-EU-Gipfel sowie afrikanische Migranten in Nordafrika. Autoritäre Herrscher wurden von Protestbewegungen herausgefordert und die ehemaligen Befreiungsbewegungen des südlichen Afrika führten interne Kämpfe. Diese Unwägbarkeiten in den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen auf dem Kontinent zeigen sich in den zentralen Ereignissen, die wir für das Jahr 2018 erwarten.

  • Die Reform der Afrikanischen Union (AU) wird eher Stückwerk bleiben und nicht tiefgreifend ausfallen. Viele AU-Mitgliedstaaten werden den Kurs des derzeitigen AU-Vorsitzenden Kagame – der auf die Umsetzung von Beschlüssen und die Stärkung der AU-Kommission drängt – nicht mittragen.

  • Das Jahr 2018 wird wahrscheinlich kein gutes Jahr für die Demokratie in Afrika. So werden die anstehenden Wahlen kaum zu größeren demokratischen Spielräumen führen. Sie werden – wie in Mali oder im Südsudan – in fragilen politischen Situationen stattfinden oder unter hybriden und autoritären politischen Bedingungen. Autoritäre Tendenzen auf dem Kontinent werden sich zudem in weiteren Versuchen, präsidentielle Amtszeitbeschränkungen auszuhebeln, manifestieren.

  • In Südafrika und Nigeria werden nationale Wahlen für das Jahr 2019 vorbereitet. In der Vorphase des Wahlkampfs kann es in Nigeria zu gewaltsamen Konflikten kommen und in der Folge zu politischem Stillstand. Südafrikas neuer Präsident Ramaphosa steht vor der Aufgabe, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft wiederzubeleben. Die Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo werden Konfliktherde bleiben. Radikale islamistische Gruppen werden vor allem in Mali, Somalia und Nigeria zur Destabilisierung beitragen. Ihre Schwächung kann dazu führen, dass sie zunehmend zu terroristischen Mitteln greifen.

  • Die künftigen Beziehungen zwischen Afrika und Europa werden durch das Post-Cotonou-Abkommen geprägt. Ein holpriger Auftakt der offiziellen Verhandlungen ist wahrscheinlich: Die Europäer legen großen Wert auf die politische Dimension der gemeinsamen Beziehungen, demgegenüber kann man von einer „afrikanischen Position“ bislang kaum sprechen. Schlüsselthemen für die afrikanische Seite sind die Handelsbeziehungen, jüngste Initiativen wie der „Compact with Africa“ sowie die Migrationspolitik.

Fazit

Unsere Übersicht über zentrale Entwicklungen in Afrika im Jahr 2018 ist insgesamt eher skeptisch. Dies gilt trotz der sozio-ökonomischen Fortschritte, die vielerorts in Afrika zu verzeichnen sind. Nicht alle Einschätzungen müssen Realität werden, vor allem, wenn die Regierungen und die Bevölkerung afrikanischer Staaten, aber auch die internationalen Partner, allen voran die EU, entsprechend aktiv werden. Europäische Politiker könnten bei den Neuverhandlungen europäisch-afrikanischer Handelsbeziehungen und durch die Öffnung legaler Migrationswege unter dem Dach eines Post-Cotonou-Abkommens mutige Entscheidungen treffen.



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