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GIGA Focus Afrika

Kriegskontinent Afrika? Ein Klischee auf dem Prüfstand

Nummer: 5 | 07/2015 | ISSN: 1862-3603

Bürgerkriege in Mali, Nigeria und Südsudan scheinen das Bild vom "Kriegskontinent Afrika" zu bestätigen. In den letzten Jahren mehren sich in Wissenschaft und Medien jedoch Stimmen, die einen Rückgang organisierter Gewalt weltweit und auch im subsaharischen Afrika konstatieren. Inwieweit lassen sich diese Behauptungen belegen?

Analyse Berücksichtigt man unterschiedliche Dimensionen von Gewalt und analysiert das zuverlässigste empirische Material, dann zeigt sich, dass die Häufigkeit aktiver Konflikte von 1990 bis 2013 nicht substanziell gesunken ist. Allerdings kann die These bestätigt werden, dass die absolute und relative Intensität der Konflikte seit 1990 signifikant nachgelassen hat.

  • Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Jahr 1990 von 100.000 Einwohnern des subsaharischen Afrika noch über 70 Menschen in bewaffneten Konflikten starben, waren es 2013 nur noch 12. Der Trend ist seit Beginn der 2000er Jahre relativ stabil und entspricht, etwas verzögert, der weltweiten Entwicklung. Zwischenstaatliche Konflikte sind eine extreme Seltenheit geworden. Allerdings ist dies kein unumkehrbarer Trend.

  • Diese Analyse beruht auf Schätzungen zu sogenannten "Gefechtstoten", Menschen, die direkt durch Kriegshandlungen getötet wurden. Die Schätzungen sind zwar mit einiger Ungenauigkeit behaftet, es spricht aber wenig dafür, dass die Anzahl der indirekten Kriegsopfer gleichzeitig überproportional gestiegen ist.

  • Für den Rückgang der Gewaltintensität werden verschiedene Ursachen diskutiert. Besonders plausible Erklärungen sind die zunehmenden Bemühungen der Afrikanischen Union zur Lösung von Konflikten und der Einsatz von UN-Friedenstruppen sowie – von der westlichen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – Fortschritte in der Demokratisierung und sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung vieler afrikanischer Staaten.

  • Die westliche Öffentlichkeit sollte das Klischee des "Kriegskontinents Afrika" korrigieren. Die Wissenschaft bleibt aufgerufen, Voraussetzungen und Bedingungen für Frieden zu identifizieren, die dann durch Politik und Zivilgesellschaft umgesetzt werden können.



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