GIGA Focus Afrika ,

Kriegskontinent Afrika? Ein Klischee auf dem Prüfstand

GIGA Focus | Afrika | Nummer 05 | | ISSN 1862-3603

Bürgerkriege in Mali, Nigeria und Südsudan scheinen das Bild vom "Kriegskontinent Afrika" zu bestätigen. In den letzten Jahren mehren sich in Wissenschaft und Medien jedoch Stimmen, die einen Rückgang organisierter Gewalt weltweit und auch im subsaharischen Afrika konstatieren. Inwieweit lassen sich diese Behauptungen belegen?

Analyse
Berücksichtigt man unterschiedliche Dimensionen von Gewalt und analysiert das zuverlässigste empirische Material, dann zeigt sich, dass die Häufigkeit aktiver Konflikte von 1990 bis 2013 nicht substanziell gesunken ist. Allerdings kann die These bestätigt werden, dass die absolute und relative Intensität der Konflikte seit 1990 signifikant nachgelassen hat.

  • Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Jahr 1990 von 100.000 Einwohnern des subsaharischen Afrika noch über 70 Menschen in bewaffneten Konflikten starben, waren es 2013 nur noch 12. Der Trend ist seit Beginn der 2000er Jahre relativ stabil und entspricht, etwas verzögert, der weltweiten Entwicklung. Zwischenstaatliche Konflikte sind eine extreme Seltenheit geworden. Allerdings ist dies kein unumkehrbarer Trend.

  • Diese Analyse beruht auf Schätzungen zu sogenannten "Gefechtstoten", Menschen, die direkt durch Kriegshandlungen getötet wurden. Die Schätzungen sind zwar mit einiger Ungenauigkeit behaftet, es spricht aber wenig dafür, dass die Anzahl der indirekten Kriegsopfer gleichzeitig überproportional gestiegen ist.

  • Für den Rückgang der Gewaltintensität werden verschiedene Ursachen diskutiert. Besonders plausible Erklärungen sind die zunehmenden Bemühungen der Afrikanischen Union zur Lösung von Konflikten und der Einsatz von UN-Friedenstruppen sowie – von der westlichen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – Fortschritte in der Demokratisierung und sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung vieler afrikanischer Staaten.

  • Die westliche Öffentlichkeit sollte das Klischee des "Kriegskontinents Afrika" korrigieren. Die Wissenschaft bleibt aufgerufen, Voraussetzungen und Bedingungen für Frieden zu identifizieren, die dann durch Politik und Zivilgesellschaft umgesetzt werden können.

GIGA-Forschung zum Thema

Vorgeschlagene Zitierweise

Basedau, Matthias, und Nina Mappes (2015), Kriegskontinent Afrika? Ein Klischee auf dem Prüfstand, GIGA Focus Afrika, 05, Juli, urn:nbn:de:0168-ssoar-437880

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Prof. Dr. Matthias Basedau

Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien
Redaktion GIGA Focus Afrika

Prof. Dr. Matthias Basedau ist Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Institutionen und bewaffnete Konflikte, beides im besonderen Zusammenhang mit Ethnizität, natürlichen Ressourcen und Religion. Er ist zudem Regionalkoordinator für West- und Zentralafrika beim Bertelsmann Transformation Index.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Matthias Basedau

Party Systems in Africa

in: Nic Cheeseman (ed.), The Oxford Encyclopedia of African Politics, Oxford: Oxford University Press, forthcoming

Håvard Hegre / Marie Allansson / Matthias Basedau / Michael Colaresi / Mihai Croicu / Hanne Fjelde / Frederick Hoyles / Lisa Hultman / Stina Högbladh / Remco Jansen / Naima Mouhleb / Sayyed Auwn Muhammad / Desirée Nilsson / Håvard Mokleiv Nygård / Gudlaug Olafsdottir / Kristina Petrova / David Randahl / Espen Geelmuyden Rød / Gerald Schneider / Nina von Uexkull / Jonas Vestby

ViEWS: A political violence early-warning system

Journal of Peace Research, 56, 2019, 2, 155-174

Matthias Basedau / Johanna Schaefer-Kehnert

Religious discrimination and religious armed conflict in sub-Saharan Africa: an obvious relationship?

Religion, State and Society, 47, 2019, 1, 30-47

Matthias Basedau / Siri Aas Rustad / Elise Must

Do expectations on oil discoveries affect civil unrest? Micro-level evidence from Mali

Cogent Social Sciences, 4, 2018, 1