GIGA Focus Afrika

Kamerun: Das greise Regime Biya vor dem Ende

GIGA Focus | Afrika | Nummer 09 | | ISSN 1862-3603

Am 27. Oktober stellte Transparency International in Jaunde den Corruption Perception Index 2010 vor. Von 187 Ländern belegt Kamerun Platz 146 und gehört zu den korruptesten Ländern Afrikas.

Analyse
Seit 1982 regiert Präsident Paul Biya Kamerun. Die Änderung der Verfassung vom 10. April 2008 erlaubt es ihm, bei den Präsidentschaftswahlen 2011 erneut anzutreten. Diese Verfassungsänderung hatte eine Welle politischer Unzufriedenheit ausgelöst, die in der wirtschaftlichen Krise und der anhaltenden Korruption ihre tieferen Ursachen hat. Derzeit ist weder in der Regierungspartei Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais (RDPC) noch auf Seiten der parlamentarischen Opposition ein aussichtsreicher Gegenkandidat zu Biya auszumachen. Dennoch wird sich der Präsident mittelfristig nicht an der Macht halten können.

  • Seit den frühen 1990er Jahren leidet die Regierung unter einem hohen Legitimitätsdefizit. Seit zwei Jahrzehnten geht der zentralistische Regierungsapparat systematisch gegen Regimegegner vor. Der internationalen Gebergemeinschaft ist es nicht gelungen, wirtschaftliche oder politische Veränderungen in Gang zu setzen.

  • Das Regime stützt sich in zentralen politischen Bereichen auf sehr betagte Funktionäre. Präsident Biya ist 77 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen. Im Falle seines Todes ist seine Nachfolge verfassungsrechtlich nicht geregelt.

  • Aufgrund politischer Repression, der wirtschaftlichen Krise sowie einer Überalterung der politischen Elite drohen Kamerun mittelfristig gewaltsame Konflikte.

  • Mit einem demokratisch legitimierten Machtwechsel ist kaum zu rechnen. Wahrscheinlicher ist, dass der Generationenkonflikt innerhalb der Regierungspartei und des Staatsapparats den Präsidenten aus dem Amt treibt. Trotz entsprechender Befürchtungen ist eine Intervention des Militärs derzeit nicht zu erwarten.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Elischer, Sebastian (2010), Kamerun: Das greise Regime Biya vor dem Ende, GIGA Focus Afrika, 09, urn:nbn:de:0168-ssoar-274628

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Sebastian Elischer

Taking stock of ‘good coups’ in Africa

Washington Post, Monkey Cage, 2015

Sebastian Elischer

Salafisten in Afrika: nicht zwingend Wegbereiter des Terrorismus

GIGA Focus Afrika, 03/2014

Sebastian Elischer

萨拉菲斯特主义者在非洲:未必是恐 怖主义的开路先锋

GIGA Focus International Edition Chinese, 01/2014

Sebastian Elischer

Political Parties in Africa: Ethnicity and Party Formation

New York: Cambridge University Press, 2013