GIGA Focus Afrika

Die innenpolitische Rolle des Militärs im subsaharischen Afrika

GIGA Focus | Afrika | Nummer 12 | | ISSN 1862-3603

Militärputsche wie in Mauretanien im April 2008 und Meutereien unzufriedener Soldaten wie in Guinea-Bissau im November sind inzwischen eher seltene Ereignisse im subsaharischen Afrika. Zwar waren Militärputsche und Militärregime lange ein typisches Kennzeichen der Politik in vielen subsaharischen Staaten, doch die Häufigkeit von Militärputschen ist seit 1990 deutlich zurückgegangen. Reine Militärregime sind fast vollständig verschwunden. Selbst nach erfolgreichen Staatsstreichen beeilen sich die neuen Machthaber, Wahlen anzukündigen und die Regierung zu rezivilisieren. Dennoch bleibt das Militär durch weniger sichtbare Einflussnahme weiterhin ein wichtiger politischer Akteur.

Analyse

  • Im subsaharischen Afrika werden zurzeit 19 Staaten von Machthabern mit militärischem Hintergrund regiert. Zumeist sind sie durch Putsch oder Rebellion an die Macht gekommen, und trotz nachträglicher Wahlen sind sie nicht hinreichend demokratisch legitimiert.

  • Darüber hinaus gibt es politische Einflussmöglichkeiten, die weniger spektakulär sind als Militärputsche und Militärregierungen: Militärs sind oft zentrale Machtstützen von Machthabern, denen sie bisweilen durch engste Komplizenschaft bei illegalen wirtschaftlichen Aktivitäten besonders verbunden sind.

  • Die Auswirkungen von Militärherrschaft und anderen Interventionen des Militärs auf politische Stabilität und Demokratie sind überwiegend negativ. Ein starker Einfluss des Militärs steht oft im Zusammenhang mit Demokratiedefiziten und gewaltsamen Konflikten.

  • Die Stärkung der "professionellen Neutralität" des Militärs in Afrika muss an den Ursachen von Militärinterventionen ansetzen. Korruption, Wirtschafts- und Politikkrisen sowie Spannungen zwischen Identitätsgruppen sind häufig die tieferen Ursachen, Anlass oder auch nur Vorwand für Interventionen des Militärs.

  • Nicht zuletzt ist die ordentliche Bezahlung und professionelle Ausbildung der Streitkräfte ebenso wichtig wie die Einrichtung einer effektiven zivilen Kontrolle über die Streitkräfte. Letztlich muss eine "professionelle" Haltung des Militärs aber von diesem selbst ausgehen.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Basedau, Matthias (2008), Die innenpolitische Rolle des Militärs im subsaharischen Afrika, GIGA Focus Afrika, 12, urn:nbn:de:0168-ssoar-274018

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Prof. Dr. Matthias Basedau

Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien
Redaktion GIGA Focus Afrika

Prof. Dr. Matthias Basedau ist Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Institutionen und bewaffnete Konflikte, beides im besonderen Zusammenhang mit Ethnizität, natürlichen Ressourcen und Religion. Er ist zudem Regionalkoordinator für West- und Zentralafrika beim Bertelsmann Transformation Index.

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Universal love or one true religion? Experimental evidence of the ambivalent effect of religious ideas on altruism and discrimination

American Journal of Political Science, online first, 2019

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ViEWS: A political violence early-warning system

Journal of Peace Research, 56, 2019, 2, 155-174

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Religious discrimination and religious armed conflict in sub-Saharan Africa: an obvious relationship?

Religion, State and Society, 47, 2019, 1, 30-47