GIGA Focus Afrika ,

Südafrika als Förderer kosmopolitischer Normen?

GIGA Focus | Afrika | Nummer 06 | | ISSN 1862-3603

"Unsere Regierung ist schlimmer als die Apartheidregierung", erregte sich der südafrikanische Friedensnobelpreisträger und ehemalige Erzbischof Desmond Tutu am 4. Oktober. Er reagierte damit auf das Verhalten der südafrikanischen Regierung, die den Visumsantrag des Dalai Lama wochenlang ignoriert hatte, sodass dieser seine Einreise absagen musste. Am 7. Oktober hätte der Dalai Lama die Festrede zum 80. Geburtstag des Friedensnobelpreisträgers halten sollen.

Analyse
Südafrika verfügt als Zivilmacht auf den ersten Blick über nahezu optimale Voraussetzungen, um kosmopolitische Normen in Afrika zu stärken. Der politische Kosmopolitismus sieht in einer gestärkten, global vernetzten Zivilgesellschaft und in starken überstaatlichen Institutionen die Grundlage, auf der Demokratie und Menschenrechte verwirklicht werden können. Ein genauerer Blick auf Südafrika offenbart jedoch zahlreiche Probleme:

  • Fremdenfeindlichkeit ist weit verbreitet und hat in den letzten Jahren mehrfach zu pogromartigen Ausschreitungen geführt. Arbeitslosigkeit und Armut vieler Südafrikaner bilden die Grundlage für Einstellungen, die gegen kosmopolitische Normen gerichtet sind.

  • In der Außenpolitik hat für die Regierung inzwischen realpolitischer Pragmatismus Vorrang vor der Stärkung überstaatlicher Institutionen. Dies zeigt sich unter anderem im Umgang mit dem wegen Kriegsverbrechen angeklagten sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir und bei der von Südafrika maßgeblich mitgetragenen Aussetzung des Tribunals der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC).

  • Andererseits zeichnet sich die südafrikanische Zivilgesellschaft als Förderer kosmopolitischer Normen aus. Immer wieder gelingt es ihr, an die Werte der Mandela-Zeit zu erinnern und die außenpolitische Debatte mitzubestimmen.

  • Zudem ist der in Südafrika praktizierte Rechtspluralismus, der ein formelles Rechtssystem mit nicht-kodifiziertem traditionellem Recht lokaler Gemeinschaften verbindet, beispielhaft für die von Kosmopoliten geforderte "Anerkennung von Differenz".

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Vorgeschlagene Zitierweise

Plagemann, Johannes, und Sören Scholvin (2011), Südafrika als Förderer kosmopolitischer Normen?, GIGA Focus Afrika, 06, urn:nbn:de:0168-ssoar-276300

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Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Dr. Johannes Plagemann ist Politikwissenschaftler und Research Fellow am GIGA Institut für Asien-Studien. Er ist Sprecher des GIGA-Forschungsteams „Ideen und Akteurshandeln“ und Koordinator des DFG-Forschungsprojekts „Legitime Multipolarität“ (2018-2021). In seiner Forschung befasst er sich mit neuen Führungsmächten in der internationalen Politik und insbesondere mit indischer Außenpolitik. Zurzeit untersucht er den Einfluss von Populismus auf Außenpolitik und die Legitimität internationaler Organisationen in einer multipolaren Welt.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Chanchal Kumar Sharma / Sandra Destradi / Johannes Plagemann

Partisan Federalism and Subnational Governments’ International Engagements: Insights from India

Publius: The Journal of Federalism, 50, 2020, 4, 566–592

Johannes Plagemann / Sandra Destradi

The Foreign Policy of Populists

Horizons, Winter 2020, 2020, Issue No. 15, 110-118

Johannes Plagemann / Sandra Destradi / Amrita Narlikar (eds.)

India Rising: A Multilayered Analysis of Ideas, Interests, and Institutions

New Delhi: Oxford University Press, 2020