GIGA Focus Afrika

Reformprojekt „Dezentralisierung in Afrika“ – zum Scheitern verurteilt? Das Beispiel Mosambik

GIGA Focus | Afrika | Nummer 11 | | ISSN 1862-3603

Nach den umstrittenen Wahlen des Präsidenten, des Parlaments und erstmalig der Provinzversammlungen am 28. Oktober 2009 in Mosambik versprach die neue und alte Führung unter Präsident Armando Guebuza die Fortsetzung der im Jahr 994 begonnenen Dezentralisierungspolitik – auch mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft.

Analyse
In den 990er Jahren wurde in zahlreichen Ländern Afrikas die Dezentralisierung als großes demokratisches Reformprojekt begonnen. Eine Reihe von Studien zeichnet bestenfalls ein durchwachsenes Bild. Das Beispiel Mosambik zeigt, wieso sich die einst großen Hoffnungen bisher nicht erfüllt haben.

  • Die Dezentralisierung in Mosambik – wie zumeist auch in anderen Ländern – bedeutete vor allem eine Dekonzentration der Zentralverwaltung, aber nur eine beschränkte Übertragung politischer Entscheidungsbefugnisse an lokale Selbstverwaltungsorgane.

  • In Mosambik blieb die politische Reform zudem auf "städtische" Verwaltungsbezirke (Munizipien) beschränkt; nur dort – nicht in ländlichen Verwaltungsbezirken – wurden nominell demokratisch gewählte Selbstverwaltungsorgane eingerichtet.

  • Entscheidendes Problem für die demokratische Selbstverwaltung ist, dass den neuen dezentralen Institutionen kaum eine eigene Finanzhoheit eingeräumt wurde. Dies ist kennzeichnend auch für die Reformen in den meisten anderen Ländern.

  • Die Dezentralisierung scheitert zumeist am Widerstand der politischen Elite, die trotz gegenteiliger Rhetorik nicht bereit ist, politische und finanzielle Entscheidungsmacht an lokale Institutionen abzugeben.

  • Dieser Widerstand wird auch deshalb erleichtert, weil internationale Geber die Dezentralisierung eher als technisches Problem behandeln und ihren eminent politischen Charakter ignorieren.

GIGA-Forschung zum Thema

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Vorgeschlagene Zitierweise

Plagemann, Johannes (2009), Reformprojekt „Dezentralisierung in Afrika“ – zum Scheitern verurteilt? Das Beispiel Mosambik, GIGA Focus Afrika, 11, urn:nbn:de:0168-ssoar-276297

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Dr. Johannes Plagemann

Research Fellow
Sprecher Forschungsteam

Dr. Johannes Plagemann ist Politikwissenschaftler und Research Fellow am GIGA Institut für Asien-Studien. Er ist Sprecher des GIGA-Forschungsteams „Ideen und Akteurshandeln“ und Koordinator des DFG-Forschungsprojekts „Legitime Multipolarität“ (2018-2021). In seiner Forschung befasst er sich mit neuen Führungsmächten in der internationalen Politik und insbesondere mit indischer Außenpolitik. Zurzeit untersucht er den Einfluss von Populismus auf Außenpolitik und die Legitimität internationaler Organisationen in einer multipolaren Welt.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Sangeeta Mahapatra / Johannes Plagemann

Polarisierung und Politisierung: Soziale Medien im indischen Wahlkampf

GIGA Focus Asien, 03/2019

Johannes Plagemann / Sandra Destradi

What Modi teaches us about populist foreign policy

East Asia Forum, 2019

Johannes Plagemann / Sandra Destradi

Populism and Foreign Policy: The Case of India

Foreign Policy Analysis, 15, 2019, 2, 283-301

Nicola Nymalm / Johannes Plagemann

Comparative Exceptionalism: Universality and Particularity in Foreign Policy Discourses

International Studies Review, 21, 2019, 1, 12–37