GIGA Focus Nahost

Tourismus – das Ei des Kolumbus für die arabische Welt?

Nummer 4 | 2010 | ISSN: 1862-3611


  • Am 27. April 2010 fand auf Einladung von US-Präsident Obama eine Konferenz mit muslimischen Geschäftsleuten in Washington D.C. statt, auf der Maßnahmen zur Stärkung des Unternehmergeistes in der muslimischen Welt beraten wurden. Hinter diesen Bemühungen steht die in vielen Bereichen unzureichend ausgeprägte ökonomische Leistungsfähigkeit in Nordafrika und dem Nahen Osten. Andererseits verknüpft sich damit auch die Hoffnung, durch wirtschaftliche Entwicklung mittelfristig soziale und politische Modernisierungsprozesse anzustoßen. Eine signifikante Ausnahme in dieser Einschätzung bildet die arabische Tourismusindustrie, die sich zu einer der wichtigsten Quellen von Exporteinnahmen für die arabischen Staaten entwickelt hat.

    Analyse In keiner anderen Weltregion ist der Anteil der Tourismusexporte am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der letzten zehn Jahre so stark angestiegen wie in den Ländern der arabischen Welt. Insbesondere in vielen ressourcenarmen Staaten nimmt die Tourismusindustrie inzwischen einen Spitzenplatz unter den Exportsektoren ein.

    • In den ressourcenarmen Staaten bildete die Diversifizierung der eigenen Devisenquellen die zentrale Motivation zur Tourismusentwicklung. In den ressourcenreichen Monarchien am Golf entstand der Impuls zum Ausbau des Tourismussektors aus dem Wunsch nach ökonomischen Alternativen vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas.

    • In allen Fällen haben staatliche Institutionen entscheidende planerische und infrastrukturelle Vorleistungen erbracht.

    • Nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ist der Rückgang der internationalen Touristenzahlen in der arabischen Welt insgesamt geringer als in anderen Weltregionen. Dazu haben ein hoher Anteil von innerarabischem Tourismus und frühzeitig implementierte Maßnahmen- und Marketingpakete der nationalen Regierungen maßgeblich beigetragen.

    • Insgesamt zeigt sich der Entwicklungserfolg durch Tourismus jedoch ambivalent; ein weitreichender Effekt des Tourismusbooms auf Armutsreduzierung, Beschäftigung und endogene Wertschöpfungsprozesse ist nur schwer zu erkennen. Gleichzeitig unterstützt diese sektorale Transformation eine Selbstprivilegierung autoritärer politischer und ökonomischer Eliten.


    Fußnoten


      Am 27. April 2010 fand auf Einladung von US-Präsident Obama eine Konferenz mit muslimischen Geschäftsleuten in Washington D.C. statt, auf der Maßnahmen zur Stärkung des Unternehmergeistes in der muslimischen Welt beraten wurden. Hinter diesen Bemühungen steht die in vielen Bereichen unzureichend ausgeprägte ökonomische Leistungsfähigkeit in Nordafrika und dem Nahen Osten. Andererseits verknüpft sich damit auch die Hoffnung, durch wirtschaftliche Entwicklung mittelfristig soziale und politische Modernisierungsprozesse anzustoßen. Eine signifikante Ausnahme in dieser Einschätzung bildet die arabische Tourismusindustrie, die sich zu einer der wichtigsten Quellen von Exporteinnahmen für die arabischen Staaten entwickelt hat.

      Analyse In keiner anderen Weltregion ist der Anteil der Tourismusexporte am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der letzten zehn Jahre so stark angestiegen wie in den Ländern der arabischen Welt. Insbesondere in vielen ressourcenarmen Staaten nimmt die Tourismusindustrie inzwischen einen Spitzenplatz unter den Exportsektoren ein.

      • In den ressourcenarmen Staaten bildete die Diversifizierung der eigenen Devisenquellen die zentrale Motivation zur Tourismusentwicklung. In den ressourcenreichen Monarchien am Golf entstand der Impuls zum Ausbau des Tourismussektors aus dem Wunsch nach ökonomischen Alternativen vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas.

      • In allen Fällen haben staatliche Institutionen entscheidende planerische und infrastrukturelle Vorleistungen erbracht.

      • Nach Ausbruch der globalen Finanzkrise ist der Rückgang der internationalen Touristenzahlen in der arabischen Welt insgesamt geringer als in anderen Weltregionen. Dazu haben ein hoher Anteil von innerarabischem Tourismus und frühzeitig implementierte Maßnahmen- und Marketingpakete der nationalen Regierungen maßgeblich beigetragen.

      • Insgesamt zeigt sich der Entwicklungserfolg durch Tourismus jedoch ambivalent; ein weitreichender Effekt des Tourismusbooms auf Armutsreduzierung, Beschäftigung und endogene Wertschöpfungsprozesse ist nur schwer zu erkennen. Gleichzeitig unterstützt diese sektorale Transformation eine Selbstprivilegierung autoritärer politischer und ökonomischer Eliten.



      Impressum

      Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

      Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

      29.04.2021

      Arabischer Frühling 10 Jahre danach

      Kooperationsveranstaltung Online event: 14.04.2021 - 01.07.2021 Organisation: German Institute for Global and Area Studies (GIGA), Universität Hamburg, Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Academy in Exile

      Saudi Arabia & the United Arab Emirates: Spearheads of the Counterrevolution?

      Sammelband | World Tourism Organization | 06.2013

      Economic Crisis, International Tourism Decline and its Impact on the Poor

      Christian Steiner

      Sabine Dörry

      Vera Neisen

      Marcus Stephenson

      Alberto F. Lemma

      Jonathan G. B. Mitchell

      Benachrichtigungen

      Melden Sie sich hier für E-Mail-Benachrichtigungen zu GIGA-Aktivitäten an

      Soziale Medien

      Folgen Sie uns