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GIGA Focus Afrika

Nigeria: Die Instabilität wächst

Nummer: 2 | 2010 | ISSN: 1862-3603

Am 8. Februar 2010 ist Vizepräsident Goodluck Jonathan zum amtierenden Präsidenten Nigerias und zum Obersten Chef der Streitkräfte ernannt worden. Präsident Yar’ Adua ist schwer erkrankt und nimmt die Regierungsgeschäfte seit November 2009 nicht mehr wahr.

Analyse Die schwere Erkrankung von Präsident Yar’ Adua hat zu Konflikten innerhalb der Regierung geführt und die Nachfolgefrage aufgeworfen, die das fragile Gleichgewicht innerhalb der politischen Elite gefährdet. Nach kurzer Auseinandersetzung haben die nigerianischen Machteliten jedoch die drohende Verfassungskrise gelöst, indem sie den Vizepräsidenten Goodluck Jonathan zum amtierenden Präsidenten erklärten. Das Land befindet sich – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Wahlen 2011 – sowohl wegen dieses Machtkampfes, vor allem aber wegen zahlreicher nicht gelöster struktureller Probleme in einer Krise: Zunahme der Armut, mangelnde wirtschaftliche Perspektiven für die Mehrheit der Bevölkerung, gewaltsame Konflikte im Middle Belt und die Gefahr eines erneuten Aufflackerns der Gewalt im Niger Delta bilden die wichtigsten Komponenten dieser Krisensituation.

  • Obwohl Nigeria der achtgrößte Ölproduzent der Welt (2009) und aufgrund seiner Ausdehnung, seiner Einwohnerzahl (etwa 145 Mio.) und seiner Wirtschaftskraft eine regionale Führungsmacht geworden ist, bleibt das Land ein Gigant auf tönernen Füßen.

  • Die Mehrheit der Bevölkerung lebt selbst in den Ölfördergebieten in größter Armut. Nigerias hohes Wirtschaftswachstum lässt sich während der letzten Jahre als "Wachstum ohne Entwicklung" und ohne zusätzliche Beschäftigung kennzeichnen.

  • Der Ölreichtum spaltet die Gesellschaft in einige wenige privilegierte Nutznießer und die große Mehrheit der armen Bevölkerung. Öl dient den Eliten als Quelle, aus der sie ihre Macht schöpfen, um politische Prozesse und wirtschaftliche Entscheidungen zu steuern.

  • Die Regierung hat durch ihre Politik die Konfliktherde im Niger Delta, im Middle Belt und im Norden verschärft und damit zu den wiederholten blutigen Auseinandersetzungen in Jos im Januar und März 2010 beigetragen.

  • Es ist zu erwarten, dass Nigeria bis zu den Wahlen 2011 von verstärkten politischen Auseinandersetzungen geprägt sein wird. Bleibt Nigeria stabil, strahlt dies auch positiv auf die Region Westafrika aus. In den Nachbarländern jedoch wächst die Sorge, dass Nigeria instabiler wird und möglicherweise in eine große Krise steuert, die die internationale Staatenwelt in Unruhe versetzen könnte.



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