GIGA Focus Nahost

Partner oder „Paria“? Syriens Nahostpolitik unter Bashar al-Asad

GIGA Focus | Nahost | Nummer 06 | | ISSN 1862-3611

Am 10. Juni jährte sich zum zehnten Mal der Todestag des langjährigen syrischen Präsidenten Hafiz al-Asad. Die erste Vater-Sohn-Nachfolge in einer arabischen Republik hinterließ dem neuen Präsidenten Bashar al-Asad eine große außenpolitische Hypothek: stockende Friedensverhandlungen mit Israel, einen kalten Frieden mit der Türkei, schwierige Beziehungen mit den Golfstaaten sowie ein gespanntes Verhältnis zu den USA und den EU-Staaten.

Analyse
Seit Bashar al-Asad das Präsidentenamt im Jahr 2000 übernommen hat, wird Syrien von der westlichen Welt grundlegend anders wahrgenommen: Bashar – anfänglich als Hoffnungsträger gesehen –, wurde bald zum politischen Paria erklärt, der 2005 unter massivem internationalen Druck seine Armee aus dem Libanon abziehen musste. Erst mit Syriens regionalpolitischem Wiederaufstieg seit 2006 veränderte sich die Wahrnehmung des jungen Präsidenten ansatzweise vom Paria zum möglichen Partner im Nahen Osten.

  • Unabhängig von den wechselnden Sichtweisen auf Bashar al-Asad als Hoffnungsträger, Paria oder Partner ist die syrische Außenpolitik seit 2000 strukturell durch Kontinuität gekennzeichnet: Beharren auf Eigenständigkeit und "Widerstand", vor allem gegenüber Israel und den USA, bei gleichzeitiger Balancepolitik in regionalen Konflikten wie im Irak oder Libanon.

  • Syriens gestiegene Bedeutung im Nahen Osten seit 2006 ist dabei weniger Ausdruck einer außenpolitischen Neuausrichtung als vielmehr Resultat des Einflussgewinns seiner Verbündeten Hizballah, Hamas und Iran.

  • Den größeren Handlungsspielraum hat Syrien genutzt, um seine regionalen Beziehungen zu diversifizieren; neben neuerlichem Einflussgewinn im Libanon unterstreichen dies die engen Verbindungen zur Türkei und die pragmatischen Beziehungen zu Saudi-Arabien.

  • Vor dem Hintergrund dieser für Syrien gegenwärtig günstigen regionalpolitischen Konstellation sind ein Strategiewechsel und insbesondere ein Ende der Allianz mit Hizballah, Hamas und Iran kurz- bis mittelfristig unwahrscheinlich.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Bank, André (2010), Partner oder „Paria“? Syriens Nahostpolitik unter Bashar al-Asad, GIGA Focus Nahost, 06, urn:nbn:de:0168-ssoar-273992

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Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Thomas Richter

Dr. André Bank ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien. Er war Sprecher des Forschungsnetzwerks „International Diffusion and Cooperation of Authoritarian Regimes“ (IDCAR), das in den Jahren von 2014 bis 2019 von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert wurde. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Autoritarismus, Konfliktdynamiken und regionale Ordnung im Nahen ­Osten.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

André Bank

Making and Breaking Proxy Relationships in Syria

Proxy Wars Initiative, 2020

Lea Müller-Funk / Christiane Fröhlich / André Bank

State(s) of Negotiation: Drivers of Forced Migration Governance in Most of the World

GIGA Working Paper, No. 323, August 2020

André Bank

COVID-19 and the Syrian Conflict

Friedrich Ebert Stiftung Series on "COVID-10 and Syria", 2020

André Bank

Hashemite Kingdom of Jordan

in: Sean Yom (ed.), Government and politics of the Middle East and North Africa, London: Routledge , 2020, 377-408