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"Occupy" in Hongkong: Entwicklung einer neuen Jugendprotestkultur

GIGA Focus | Asien | Nummer 10 | | ISSN 1862-359X

Bis zum 16. Dezember 2014 räumten die Polizeikräfte die letzten Straßen Hongkongs von den Besetzern, die seit dem Sommer für allgemeine und freie Direktwahlen des Hongkonger Regierungschefs im Jahr 2017 protestiert hatten.

Analyse
Die unnachgiebige Haltung der Regierungen in Beijing und Hongkong scheint bis auf Weiteres erfolgreich gewesen zu sein. Die Zahl der Aktivisten hatte zum Ende der Aktionen hin immer weiter abgenommen, die Uneinigkeit in ihren Reihen war gewachsen, und die große Mehrheit der Hongkonger war inzwischen gegen eine Fortführung der Besetzungen. Keine der Forderungen – weder nach Rücknahme von Beijings restriktiven Beschlüssen zur Wahl noch nach Rücktritt des Hongkonger Regierungschefs – ist erfüllt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die politische Mobilisierungsbereitschaft der Hongkonger Jugend nachhaltig gewachsen sein dürfte.

  • Die Entwicklung einer zunehmend aktiven Zivilgesellschaft und einer neuen Jugendprotestkultur in Hongkong sprechen ebenso wie die sich aus der Sicht der Jugendlichen verschlechternden Arbeits- und Lebenschancen dafür, dass sich die derzeit politisierte Jugend auch künftig einmischen wird.

  • Die parteistaatliche Führung der Volksrepublik China hat von Beginn an versucht, die Bewegung unter Hinweis auf Subversion durch das Ausland und Schäden für Hongkongs Wirtschaft zu diskreditieren. Die chinesische Öffentlichkeit wurde durch die Ereignisse in Hongkong allerdings kaum mobilisiert und scheint sich mehrheitlich eher gegen das entstandene „Chaos“ gewandt zu haben.

  • Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aktionen auf Hongkong dürften gering und nur vorübergehend sein. Gravierender sind längerfristige konjunkturelle Entwicklungen.

  • Durch die Kompromisslosigkeit Beijings ist das Scheitern der Politik "ein Land, zwei Systeme" endgültig offensichtlich geworden.

  • Chinas Führung steht vor großen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen. Ihre Haltung zu den Forderungen der Hongkonger Demonstranten hat bestätigt, dass sie in Fragen von internationaler politischer Brisanz nicht länger zu Zugeständnissen bereit ist.

GIGA-Forschung zum Thema

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Vorgeschlagene Zitierweise

Schucher, Günter, und Heike Holbig (2014), "Occupy" in Hongkong: Entwicklung einer neuen Jugendprotestkultur, GIGA Focus Asien, 10, Januar, urn:nbn:de:0168-ssoar-414593

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Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Asien: Prof. Dr. Heike Holbig

Prof. Dr. Heike Holbig

Senior Research Fellow
Redaktion GIGA Focus Asien

Prof. Dr. Heike Holbig ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Asien-Studien und Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Area Studies China/Ostasien an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Als Mitglied des GIGA Forschungsschwerpunkts 1 „Politische Verantwortlichkeit und Partizipation“ befasst sie sich mit dem ideologischen und organisatorischen Wandel des chinesischen Parteiregimes. Im Rahmen des GIGA Forschungsschwerpunkts 4 „Macht und Ideen“ forscht sie zur Rolle Chinas in multilateralen Organisationen.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Heike Holbig

Xi Jinping and the Art of Chrono-Ideological Engineering

in: Barbara Mittler / Natascha Gentz (eds.), China and the World - the World and China: Transcultural Perspectives on Modern China, Volume 3, Gossenberg: Ostasien Verlag, 2019, 183-200

Cornelia Storz / Heike Holbig

Theories on Institutional Change: An Application to the Dynamics of “Protecting the Weak”

in: Iwo Amelung / Moritz Bälz / Heike Holbig / Matthias Schumann / Cornelia Storz (eds.), Protecting the Weak in East Asia: Framing, Mobilisation, and Institutionalisation, Abingdon / New York: Routledge, 2018, 112-137

Heike Holbig

Whose New Normal? Framing the Economic Slowdown Under Xi Jinping

Journal of Chinese Political Science, 23, 2018, 3, 341–363