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Nahöstliche Monarchien: Auslaufmodell oder Zukunftsvision?

GIGA Focus | Nahost | Nummer 05 | | ISSN 1862-3611

Im Mai 2013 jährte sich zum zweiten Mal das Angebot Saudi-Arabiens an Jordanien und Marokko, dem Golfkooperationsrat beizutreten. Diese Offerte gilt nach wie vor als ein wichtiges Signal, um den Überlebenswillen autoritärer Monarchien seit Beginn des Arabischen Frühlings zu demonstrieren.

Analyse
Während seit 2011 vier Staatsoberhäupter in den nahöstlichen Republiken Ägypten, Jemen, Libyen und Tunesien gestürzt wurden, haben die Monarchien Bahrain, Jordanien, Katar, Kuwait, Marokko, Oman, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) die Umbrüche des Arabischen Frühlings bislang überlebt. Obwohl es auch in den meisten dieser Länder zu teilweise massiven Anti-Regime-Demonstrationen kam, bleibt die Kluft zwischen eher instabilen Republiken und eher stabilen Monarchien ein zentraler Entwicklungstrend der gegenwärtigen Politik im Nahen Osten.

  • Der Nahe Osten ist die bis heute einzige Weltregion, in der eine nennenswerte Konzentration von acht autoritären Monarchien existiert.

  • Die Beständigkeit dieser Regimeform erklärt sich durch ein Zusammenspiel aus vier zentralen Faktoren: traditionelle und religiöse Legitimation, eine stabile Familienherrschaft und Eliteneinbindung, die Verteilung materieller Ressourcen an die Bevölkerung sowie verschiedene Formen externer Unterstützung.

  • Die massiven innenpolitischen Unruhen in der bahrainischen Monarchie bildeten eine Ausnahme und sind den Besonderheiten dieses Landes geschuldet.

  • Da Monarchien die Umbrüche des Arabischen Frühlings bisher besser überlebt haben als Republiken, wäre es verfrüht, sie als politisches Auslaufmodell zu betrachten.

  • Die Monarchien verfügen jedoch über kein eigenständiges, positives Entwicklungsmodell, weshalb es ihnen bisher nicht gelungen ist, eine Zukunftsvision mit Strahlkraft für andere Länder bereit zu stellen.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Sunik, Anna, André Bank und Thomas Richter (2013), Nahöstliche Monarchien: Auslaufmodell oder Zukunftsvision?, GIGA Focus Nahost, 05, urn:nbn:de:0168-ssoar-347982

Impressum

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Alexander De Juan

Anna Sunik, M.A., ist assoziierte Mitarbeiterin am GIGA Institut für ­Nahoststudien und Doktorandin an der Universität Heidelberg. Zu ihren Forschungsgebieten zählen die Politik des Vorderen Orients – insbesondere der Golfmonarchien und Jordaniens – sowie autokratische Außenpolitik.

Dr. André Bank ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien. Seine Forschung richtet sich auf Autoritarismus, Konfliktdynamiken, Zwangsmigration sowie die Wissensproduktion in Sozialwissenschaften und Regionalstudien.

Dr. Thomas Richter

Koordinator GIGA Forum
Senior Research Fellow

Dr. Thomas Richter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA Institut für Nahost-Studien und Mitglied im FSP 1 „Politische Verantwortlichkeit und ­Partizipation“ und FSP 4 „Macht und Ideen“ des GIGA. Seine aktuellen Forschungsthemen beinhalten autoritäre Regime, Rentierstaatstheorie und Politikdiffusion. Gegenwärtig leitet er mit anderen Kollegen das von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte Forschungsnetzwerk „International Diffusion and Cooperation of Authoritarian ­Regimes“ (IDCAR).

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Anna Sunik

Katar – Zenith und Nadir einer außenpolitischen Expansion

in: Sebastian Sons / Sascha Arnautovic (eds.), Die ‚Arabellion‘ und ihre Auswirkungen – Eine Zwischenbilanz, Berlin-Münster-Wien-Zürich-London: LIT Verlag, forthcoming

André Bank / Kurt Weyland (eds.)

Authoritarian Diffusion and Cooperation: Interests vs. Ideology

London: Routledge, 2018

André Bank / Christiane Fröhlich

Zwangsmigration im globalen Süden: Die Debatte neu ausrichten

GIGA Focus Global, 03/2018

André Bank

Comparative Area Studies and the Study of Middle East Politics after the Arab Uprisings

in: Ariel I. Ahram / Patrick Köllner / Rudra Sil (eds.), Comparative Area Studies: Methodologies Rationales and Cross-Regional Applications, New York: Oxford University Press, 2018, 119-129