GIGA Focus Afrika ,

Mali – hinter den Kulissen der ehemaligen Musterdemokratie

GIGA Focus | Afrika | Nummer 10 | | ISSN 1862-3603

Die malische Regierung hat ihren Fahrplan für die Transitionsphase vorgelegt. Priorität haben danach die Wiederherstellung der territorialen Einheit und das Abhalten von freien Wahlen. Ein Zeitplan ist allerdings nicht enthalten (RFI 26. Januar 2013).

Analyse
Mali galt 20 Jahre lang trotz schwieriger Ausgangsbedingungen als Vorzeigedemokratie des afrikanischen Kontinents. Doch am 22. März 2012 stürzte ein Militärputsch das Land in eine tiefe Demokratie- und Sicherheitskrise. Den Hintergrund für diese Entwicklung bilden das Nachlassen der Friedensdividende der malischen Demokratie, schwache demokratische Institutionen und ein Vertrauenslust in die Problemlösungskompetenz der Regierung des ehemaligen Präsidenten Amadou Toumani Touré.

  • Der Anfang der 1990er Jahre mit den Tuareg-Rebellen im Norden geschlossene Frieden hatte sich als brüchig erwiesen. Die militärisch erstarkten Rebellen und kriminelle sowie islamistische Gruppen aus dem Ausland breiteten sich in der malischen Sahelregion aus.

  • Dem waren erfolglose Integrationsversuche der Bevölkerung des Nordens in den malischen Staat vorausgegangen. Zudem hatten sich die staatlichen Institutionen Malis als schwach erwiesen.

  • Die auf Konsens ausgerichtete und personenfokussierte Politik Amadou Toumani Tourés höhlte demokratische Repräsentationsorgane wie politische Parteien und das Parlament aus. Daher konnten diese Institutionen nur sehr eingeschränkt zur Konsolidierung des malischen Demokratisierungsprozesses beitragen.

  • Trotz internen und externen Drucks waren die seit den 1990er Jahren offensichtlichen Defizite der Wahlinstitutionen nicht wirklich behoben worden. Dadurch entstanden Zweifel an der Möglichkeit, durch Wahlen einen demokratisch legitimierten Machtwechsel zu erreichen.

  • Die mangelnde Problemlösungskompetenz der Regierung Amadou Toumani Tourés im Umgang mit der prekären Sicherheitslage in den Nordregionen legitimierte den Aufstieg des Militärs zum zentralen politischen Akteur im Land.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Heyl, Charlotte, und Julia Leininger (2012), Mali – hinter den Kulissen der ehemaligen Musterdemokratie, GIGA Focus Afrika, 10, urn:nbn:de:0168-ssoar-463685

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Dr. Charlotte Heyl

Research Fellow
Sprecherin Forschungsteam

Dr. Charlotte Heyl ist Research Fellow am GIGA Institut für Afrika-Studien. In ihrer Doktorarbeit hat sie zum Einfluss von Verfassungsgerichten auf demokratische Wahlen in Madagaskar und Senegal geforscht. Derzeit arbeitet sie in dem von der DFG geförderten Projekt “The (In)stability of Presidential Term Limits in Africa and Latin America: Assessing the Impact of Tenure-Rule Reforms on the Political Regime”.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Charlotte Heyl

Senegal (1970-2016): presidential term limit reforms never come alone

in: Alexander Baturo / Robert Elgie (eds.), The politics of presidential term limits, Oxford University Press, 2019, 339-361

Charlotte Heyl

The judiciary and the rule of law in Africa

in: Oxford University Press (ed.), Oxford Research Encyclopedia , Oxford University Press, 2019

Julia Grauvogel / Charlotte Heyl

Trotz aller Widrigkeiten: Demokratie in Afrika

GIGA Focus Afrika, 07/2017

Mariana Llanos / Charlotte Heyl / Viola Lucas / Alexander Stroh / Cordula Tibi Weber

Ousted from the Bench? Judicial Departures in Consolidating Democracies

GIGA Working Paper, No. 300, April 2017