GIGA Focus Lateinamerika ,

Kolumbien – den Frieden gewinnen

GIGA Focus | Lateinamerika | Nummer 06 | | ISSN 1862-3573

Am 23. September 2015 unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die Guerillagruppe FARC in Havanna ein Abkommen zur Etablierung einer "Sondergerichtsbarkeit für den Frieden". Damit rücken ein umfassendes Friedensabkommen und die Beendigung des Bürgerkriegs in greifbare Nähe.

Analyse
Das Friedensabkommen und seine Umsetzung müssen den ausgeprägten regionalen Unterschieden in Kolumbien Rechnung tragen. Auch wenn die Gewalt immer wieder die großen Städte erreichte, fand der Krieg vor allem im ländlichen Raum statt. Je nach Präsenz und Verankerung nichtstaatlicher Gewaltakteure sind die Herausforderungen für den Friedensprozess sehr unterschiedlich. Auch die Verfügbarkeit zentraler Ressourcen wie Drogen oder Land spielt eine wichtige Rolle.

  • Das Abkommen zur "Sondergerichtsbarkeit für den Frieden" knüpft rechtlich und inhaltlich eng an vergleichbare Regelungen der Vergangenheit an. Juristisches Neuland ist die zentrale Rolle der Entschädigung der Opfer durch die Täter. Die Umsetzbarkeit wird von der Bewertung kolumbianischer und internationaler Gerichte abhängen.

  • In den letzten Dekaden wurden in Kolumbien zahlreiche Reformen eingeleitet, um den strukturellen Ursachen der Gewalt zu begegnen. Dabei hat sich vor allem die Dezentralisierung als sehr ambivalent erwiesen. Die Aufwertung der Kommunen trug dazu bei, dass die bewaffneten Gruppen starkes Interesse an deren Kontrolle entwickelten.

  • Über sechs Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer sind intern Vertriebene und haben als Folge der Gewalt all ihr Hab und Gut verloren. Zudem hat der wirtschaftliche Wandel die traditionelle Landwirtschaft in vielen Regionen verdrängt. Diese Entwicklungen lassen sich auch nach Beendigung des Krieges nicht zurückdrehen.

  • Die zentrale Herausforderung der nächsten Monate besteht darin, den Pakt zwischen Regierung und FARC in einen breiten gesellschaftlichen Konsens über die Zukunft des Landes zu übertragen. Während die Verhandlungen international viel Zustimmung erfahren haben, bleibt die öffentliche Meinung in Kolumbien tief gespalten.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Kurtenbach, Sabine, und Philipp Lutscher (2015), Kolumbien – den Frieden gewinnen, GIGA Focus Lateinamerika, 06, Oktober, urn:nbn:de:0168-ssoar-449461

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Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
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Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Komm. Direktorin des GIGA Instituts für Lateinamerika-Studien
Gesamtredaktion GIGA Focus
Redaktion GIGA Focus Global

Dr. Sabine Kurtenbach ist Politikwissenschaftlerin und Senior Research Fellow am GIGA German Institute of Global and Area Studies. Ihr Forschungsinteresse umfasst u.a. Nachkriegsgesellschaften, Friedensprozesse, Sicherheitssektorreform und Jugendliche vor allem, aber nicht ausschließlich, in Lateinamerika.

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Understanding the relation between war economies and post-war crime

Third World Thematics: A TWQ Journal, 3, 2018, 1 (Special Issue: War economies and post-war crime), 1-8

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Third World Thematics: A TWQ Journal, 3, 2018, 1 / Special Issue (guest editors)

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Den Status quo verändern – Jugendliche als Friedensakteure

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Staatlichkeit und Gewalt

in: Thomas Fischer / Susanne Klengel / Eduardo Pastrana Buelvas (eds.), Kolumbien heute, Frankfurt am Main: Vervuert, 2017, 93-106