GIGA Focus Nahost

Katar als arabischer Konfliktmediator: Neuer Hoffnungsträger oder Gernegroß?

GIGA Focus | Nahost | Nummer 08 | | ISSN 1862-3611

Am 29. August 2010 vermittelte das Emirat Katar einen (weiteren) Waffenstillstand zwischen den Huthi-Rebellen und der Regierung des Jemen. Das 22 Artikel umfassende Abschlussdokument ergänzt und präzisiert ein 2008 ebenfalls in Doha unterzeichnetes Abkommen.

Analyse
Der jüngste diplomatische Erfolg ist Teil einer Reihe von Vermittlungsversuchen in regionalen Konflikten, die Katar in den letzten Jahren unternommen hat und die ihm ein beachtliches Renommee als Mediator verschafft haben. Besonders spektakulär war der Erfolg im Jahr 2008 bei der Vermittlung zwischen den Konfliktparteien im Libanon, wodurch eine drohende Gewalteskalation verhindert wurde.

Das Hauptinteresse der Außenpolitik Katars besteht darin, viele und vor allem vielfältige stakeholder zu schaffen, die an seiner Sicherheit interessiert sind. Neben die klassische Anbindung an einen Sicherheitsgaranten (die USA) treten zunehmend Ansätze, die auf den Ausbau von soft power zielen wie Diplomatie, Konfliktresolution und eine regional ausgerichtete Medienpolitik.

  • Nach seiner Thronbesteigung 1995 suchte Emir Hamad b. Khalifa Al Thani nach neuen Wegen, um der zunächst ablehnenden Haltung der Golfmonarchen zu begegnen und Akzeptanz zu erlangen. Dabei missachtete er auch bis dahin geltende Tabus wie die Unterhaltung von Beziehungen zu Israel und Kritik an Nachbarn (via al-Jazeera).

  • Katars wirkungsvollstes Mediationspotenzial liegt in der Vielfalt und Stabilität seiner Auslandsbeziehungen. Bei unzweifelhaft pro-westlicher Ausrichtung unterhält das Emirat gute Beziehungen zu Iran, zu Syrien, der Hizbullah und Hamas; Staaten bzw. Gruppierungen, deren Kommunikation mit dem Westen gegenwärtig gestört ist.

  • Obwohl Katar erheblichen, v.a. finanziellen, Aufwand für seine Mediationsbemühungen betreibt, ist das Emirat nicht in der Lage, den Personalbedarf für die Konfliktanalyse, die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen und vor allem deren Umsetzung allein zu decken. Dauerhafte Erfolge kann Katar letztlich nur in der Kooperation mit erfahrenen externen Mediatoren erzielen. Hierin liegt eine Chance auch für die deutsche und europäische Politik.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Niethammer, Katja (2010), Katar als arabischer Konfliktmediator: Neuer Hoffnungsträger oder Gernegroß?, GIGA Focus Nahost, 08, urn:nbn:de:0168-ssoar-276124

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Thomas Richter