GIGA Focus Afrika ,

Die Polizeireform in den Postkonfliktstaaten Burundi und Liberia

GIGA Focus | Afrika | Nummer 05 | | ISSN 1862-3603

Laut dem im Juli 2013 veröffentlichten Transparency International Global Corruption Barometer wurden die meisten Bestechungsgelder, die an öffentliche Institutionen weltweit gingen, an die Polizei gezahlt. In Burundi und Liberia gehört trotz fortschreitender Polizeireform Korruption von Polizisten zum Alltag.

Analyse
Eine Polizeireform ist entscheidend für eine ganzheitliche Sicherheitssektorreform (SSR) nach gewaltsamen Konflikten. Als unmittelbarer Ausdruck staatlicher Gewalt im Inneren spiegelt die Polizei letztlich wider, ob sich ein Postkonfliktregime hinsichtlich der Einhaltung von Menschenrechten und demokratischen Prinzipien grundlegend von Vorgängerregierungen abhebt. Dabei sind die empirischen Realitäten oft ernüchternd: In den meisten Nachkriegsgesellschaften – so etwa in Burundi und Liberia – stellt die Polizei trotz jahrelanger Reformbemühungen eher ein Risiko, denn eine Garantie für die Sicherheit der Bevölkerung dar.

  • Die Polizei steht vor der besonderen Herausforderung, sich grundlegender Reformen zu unterziehen und gleichzeitig möglichst schnell flächendeckend einsatzbereit zu sein. Der Fokus liegt nur zu häufig auf Letzterem, auf Kosten einer effektiven Reform.

  • Dabei werden Reformerfolge maßgeblich vom historischen und politischen Kontext der jeweiligen Länder beeinflusst. Die Indienstnahme staatlicher Sicherheitsstrukturen durch autoritäre Regime und über Jahrzehnte gewachsenes Misstrauen in staatliche Sicherheitsstrukturen seitens der Bevölkerung spielen eine besondere Rolle.

  • Dezentrale Organisation und die Ausweitung in ländliche Gebiete sollen das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung verbessern, führen aber häufig eher zum Gegenteil: der Dezentralisierung von Unsicherheit.

  • Die Entlastung der nationalen Polizei durch UN-Polizeipräsenz kann Luft für Reformen schaffen. Eine dysfunktionale nationale Polizei kann aber nicht dauerhaft durch UN-Polizei ersetzt werden.

GIGA-Forschung zum Thema

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Vorgeschlagene Zitierweise

Simons, Claudia, und Franzisca Zanker (2013), Die Polizeireform in den Postkonfliktstaaten Burundi und Liberia, GIGA Focus Afrika, 05, urn:nbn:de:0168-ssoar-352218

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Dr. Franzisca Zanker ist Politikwissenschaftlerin am Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg und assoziierte Wissenschaftlerin am GIGA. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Friedensprozesse, Legitimität und Migration.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Franzisca Zanker

Moving Beyond Hybridity: The Multi-Scalar Adaptation of Community Policing in Liberia

Journal of Intervention and Statebuilding, 11, 2017, 2, 166-185

Franzisca Zanker

Liberias Polizei: „Die Leute respektieren uns“

Welt-Sichten, 2016, 7, 30-33

Sebastian Prediger / Franzisca Zanker

Die Migrationspolitik der EU in Afrika braucht einen Richtungswechsel

GIGA Focus Afrika, 06/2016

Katharina Heitz Tokpa / Andrea Kaufmann / Franzisca Zanker

The Ebola Outbreak in Comparison: Liberia and Côte d’Ivoire

GIGA Focus International Edition English, 03/2015