GIGA Focus Nahost

30 Jahre Golfkooperationsrat: Schützt Mitgliedschaft vor Revolution?

GIGA Focus | Nahost | Nummer 05 | | ISSN 1862-3611

Am 10. Mai 2011, zwei Wochen vor dem 30. Jahrestag der Gründung des Golfkooperationsrates (GCC) am 25. Mai 1981, gab dessen Generalsekretär Abdullatif al-Zayani die Absicht bekannt, mit Jordanien und Marokko zwei weitere arabische Monarchien in den GCC aufzunehmen.

Analyse
Sollte die Aufnahme der ressourcenarmen Nicht-Golfstaaten Jordanien und Marokko gelingen, würde sich der GCC zum einen als sicherheitspolitische Regionalorganisation gegenüber Iran aufwerten. Zum anderen könnte der GCC dadurch als exklusiver Zirkel konservativ-autoritärer Monarchien unter der Führung Saudi-Arabiens gegenüber einer sich neu konfigurierenden republikanischen Regionalpolitik an Einfluss gewinnen.

  • Die Gründung des GCC unter saudi-arabischer Hegemonie war seinerzeit eine sicherheitspolitisch motivierte Entscheidung vor dem Hintergrund massiver regionaler Umwälzungen (iranische Revolution und sowjetische Invasion in Afghanistan 1979, Beginn des Irak-Iran-Krieges 1980).

  • Nach dem irakischen Überfall auf Kuwait im August 1990, der die Sicherheitsdefizite der arabischen Golfstaaten offenbarte, verlegte der GCC seinen Tätigkeitsschwerpunkt vor allem auf eine Verstärkung der wirtschaftlichen Integration. Bei allen damit verbundenen Problemen kann der GCC in diesem Bereich dennoch eine Reihe von wesentlichen Erfolgen vorweisen.

  • Seit Ende 2010 sind erneut sicherheitspolitische Erwägungen zum Kernanliegen des GCC geworden. Vier Ereignisse zeugen davon: die intensiven Vermittlungsversuche im Jemen, die Unterstützung der NATO-Operation in Libyen, der Einmarsch von GCC-Truppen in Bahrain und das Angebot der Mitgliedschaft für Jordanien und Marokko.

  • Während die Wahrnehmung einer iranischen Bedrohung für die Golfmonarchien weiterhin bedeutsam ist, lässt sich das Aufnahmenangebot an Jordanien und Marokko vor allem im Kontext des „arabischen Frühlings“ verstehen; der GCC soll in Zukunft eine neue Funktion als Garant eines monarchischen Status Quo in der Region erfüllen.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Richter, Thomas (2011), 30 Jahre Golfkooperationsrat: Schützt Mitgliedschaft vor Revolution?, GIGA Focus Nahost, 05, urn:nbn:de:0168-ssoar-276359

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Thomas Richter

Dr. Thomas Richter

Senior Research Fellow
Redaktion GIGA Focus Nahost

Dr. Thomas Richter ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien und Mitglied im Forschungsschwerpunkt 1 „Politische Verantwortlichkeit und Partizipation“ sowie in Forschungsschwerpunkt 4 „Macht und Ideen“ des GIGA. Er forscht zu autoritären Regimen, Rentierstaatstheorie und Politikdiffusion und ist einer der Projektleiter des Netzwerks „International Diffusion and Cooperation of Authoritarian Regimes“ (IDCAR), das von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert wird.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Thomas Richter

Oil and the Rentier State in the Middle East

in: Raymond Hinnebusch / Jasmine Gani (eds.), The Routledge Handbook to the Middle East and North African State and States System, Routledge, forthcoming

Stephan Rosiny / Thomas Richter

Der Arabische Frühling und seine Folgen

Informationen zur politischen Bildung: Naher Osten, 331, 2016, 68-81

Thomas Richter

Entwicklung und Struktur der Wirtschaft

Informationen zur politischen Bildung: Naher Osten, 331, 2016, 38-45