Kurz notiert

G20 müssen Globalisierungsängste ernst nehmen

Im Interview mit der dpa Deutsche Presse-Agentur fordert GIGA Präsidentin Prof. Amrita Narlikar, dass die G20 sich mit den Sorgen der Menschen befassen und Reformen einleiten.

Hamburg (dpa) - Das Hamburger Giga-Forschungsinstitut fordert von den Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel, die Ängste vieler Menschen vor den Folgen der Globalisierung ernst zu nehmen. «Die Globalisierung erlebt derzeit ihre schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg», sagte Institutspräsidentin Amrita Narlikar der Deutschen Presse-Agentur. «Die Rhetorik von US-Präsident Trump gegen den Freihandel, der Brexit und der immer stärker werdende Populismus von links und rechts sind nur einige Beispiele dafür.» Viele hätten das Gefühl, dass etwas schieflaufe, Ungleichheit immer größer werde.

«Die G20 müssen sich mit diesen Sorgen befassen und Reformen einleiten», sagte Narlikar kurz vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer am 7. und 8. Juli in der Hansestadt.

In der Vergangenheit sei oft der Fehler gemacht worden, den Menschen immer nur akademisch von oben herab zu sagen, dass die Globalisierung gut für sie sei, betonte die Professorin. «Das reicht nicht aus.» Die Globalisierungskritiker seien oft schlecht informiert und müssten mit guten Argumenten überzeugt werden. «Denn sonst wird der internationale Handel zum Sündenbock für vieles.»

Die G20 seien das richtige Forum, um die Globalisierung aus ihrer Krise zu befreien. «Es lohnt sich, die Globalisierung zu sichern, denn sie hat in allen Ländern Wachstum und Wohlstand gebracht», sagte Narlikar. Doch innerhalb der Länder seien die Globalisierungsgewinne häufig nicht gerecht verteilt. Ausgegrenzte Gruppen in Industrie- und Entwicklungsländern müssten deshalb beim Reformprozess miteinbezogen werden. «Die Globalisierung muss neu ausgehandelt werden.»

Zwar ginge es leichter zusammen mit den USA, erklärte die Wissenschaftlerin. Aber wenn die Vereinigten Staaten sich bei vielen multilateralen Übereinkünften zurückziehen, brauchen die anderen Staaten ihrer Ansicht nach einen Plan B - und der sei möglich.

«Die Welt, in der wir heute leben, unterscheidet sich sehr von der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg», sagte sie. «Da waren die USA die eine Ökonomie, die für Wachstum sorgen konnte. Doch heute gibt es die Europäische Union, China, Indien.» Diese Länder müssten gemeinsam ein starkes Signal aussenden, dass sie sich weiterhin verpflichtet fühlen. «Ob das nun das Pariser Klimaabkommen, den Freihandel oder die Ziele der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung betrifft.»

Das sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut Giga ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und arbeitet nach eigenen Angaben unabhängig. Es forscht zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost sowie zu globalen Fragen.

Diese Meldung erschien u.a. bei sueddeutsche.deZeit OnlineHamburger Abendblattwelt.de und in über 160 weiteren Medien.

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