Veranstaltung

Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler

Zum Auftakt der neuen Grenzgänger-Reihe von GIGA und NDR wurden die Plätze knapp. Das Thema: China – dicke Luft im Reich der Mitte.

Während die Welt auf die UN-Klimakonferenz in Paris schaut, hat die Luftverschmutzung in Peking ein neues Rekordniveau erreicht. "Früher hieß es noch: Das ist Nebel“ - so ARD Hörfunkkorrespondentin Ruth Kirchner auf die Frage, seit wann denn das Thema Luftverschmutzung in China überhaupt eine Rolle spiele. Erst seit ein paar Jahren würden die Emissionswerte veröffentlicht und den Pekingern in Form einer App zur Verfügung gestellt. "Deren Skala reicht schon seit einigen Tagen nicht mehr aus“, berichtet die langjährige Mitarbeiterin des ARD Studios Peking.

Immer mehr Menschen gehen in China für Umweltschutz auf die Straße. Etwa 150.000 Proteste seien es jedes Jahr, so die NDR Fernsehkorrespondentin Christine Adelhardt, die ebenfalls seit vielen Jahren aus China berichtet. Was von Chinas jüngsten Ankündigungen, mehr für den Klimaschutz zu tun zu halten sei, will Moderatorin Julia-Niharika Sen von GIGA-Forscherin Prof. Heike Holbig wissen. "Ich würde sie nicht als revolutionär bezeichnen, aber es ist eine Kehrtwende“, so die Expertin. "China kann damit Primus für andere Entwicklungs- und Schwellenländer werden.“

Die Veranstaltungsreihe "Grenzgänger – Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler“ fand am 30. November 2015 im NDR Foyer in der Rothenbaumchaussee in Hamburg ihren Auftakt. Gemeinsam vom GIGA und dem NDR ins Leben gerufen, will die Reihe das Beste aus zwei Welten zusammen bringen: Die Stärken von Wissenschaft und Journalismus. Das Ziel: Einer interessierten Öffentlichkeit Hintergrund zu aktuellen Entwicklungen bieten. Auf der einen Seite das GIGA mit seinen Wissenschaftlern, die Expertise zu den verschiedenen Weltregionen und den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen mitbringen, auf der anderen Seite der NDR mit der langjährigen Auslandserfahrung durch die vielen Korrespondentenplätze beim Hörfunk wie beim Fernsehen. Die Idee wurde von Prof. Henner Fürtig, Direktor des GIGA Instituts für Nahost-Studien und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz entwickelt.

Bei der Auftaktveranstaltung zum Thema China spielte aber nicht nur die Umwelt- und Klimapolitik eine Rolle. Es ging um den Machtanspruch und den Führungsstil Xi Jinpings, um den Umgang mit Oppositionellen und Organisationsformen des Protests, um das Bild, das sich die chinesische Führung gern im In- und Ausland gibt – und um persönliche Eindrücke der drei Podiumsteilnehmerinnen.

Als Moderatorin Julia-Niharika Sen, die im NDR Fernsehen unter anderem das Auslandsmagazin "Weltbilder“ moderiert, die drei Panelistinnen danach fragte, wo sie China in 20 Jahren sehen, waren die Antworten vielfältig. Ruth Kirchner sieht in China ein Land mit vielen Spannungen und ungelösten Problemen. Es sei in den vergangenen Jahren autoritärer und zentralistischer geworden. Eine Einschätzung, die auch Christine Adelhardt teilt. Eine Prognose wollte sie nicht abgeben: „Ich wäre froh, ich würde verstehen, wie China heute ist.“ Prof. Heike Holbig sieht einen Wandel durch den Amtsantritt von Präsident Xi Jinping. Viele hätten sich erhofft, dass er eine starke Hand zeige und durchgreife. Und das tue Xi. Ihrem Fazit konnten sich alle auf dem Podium aber auch viele Zuhörer anschließen: "Die Welt ist zu groß für einfache Antworten – das gilt auch für China.“

Die Reihe "Grenzgänger – Auslandskorrespondenten treffen Wissenschaftler“ wird künftig dreimal pro Jahr stattfinden.

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