Südsudan

Wenn religiöse Führer Gewalt unterstützen

Warum befürworten einige religiöse Führer Gewalt, und andere nicht? Matthias Basedau und Carlo Koos beleuchten diese und andere Fragen in einem Artikel für Political Research Quarterly.

Der Erste Kreuzzug, die Terroranschläge vom 11. September und die von religiösen Gruppen ausgehende politische Gewalt im Nahen Osten und in Afrika – diese Ereignisse spiegeln die wichtige Rolle von religiösen Führern in Konflikten wider. Aber was veranlasst religiöse Führer dazu, entweder auf Frieden zu setzen oder Gewalt zu unterstützen? In ihrem Artikel “When Do Religious Leaders Support Faith-Based Violence? Evidence from a Survey Poll in South Sudan“, der im Political Research Quarterly erschienen ist, analysieren die GIGA-Forscher Matthias Basedau und Carlo Koos die Haltung von religiösen Führern gegenüber Gewalt.

Neigen männliche und jüngere religiöse Führer eher dazu, Gewalt zu unterstützen? Wie beeinflusst die persönliche Erfahrung mit Gewalt ihre Einstellungen? Matthias Basedau und Carlo Koos betrachten zuerst klassische demografische und biografische Determinanten. Anschließend stellen sie die Hypothese auf, dass religiöse Einstellungen und Verhaltensweisen wie Intoleranz gegenüber anderen Religionen, die Wahrnehmung von Bedrohung durch andere Gruppen und der Mangel an interreligiösen Aktivitäten die Unterstützung von Gewalt ebenfalls erhöhen könnten.

Eine Umfrage, die im Oktober 2012 mit 102 religiösen Führern in Juba im Südsudan durchgeführt wurde, zeigt, dass die Befürwortung von Gewalt nicht von individuellen demografischen Faktoren, sondern von religiösen Überzeugungen abhängt: Diejenigen Führer, die Säkularismus offen gegenüber stehen und tolerant gegenüber anderen Religionen sind, lehnen religiös motivierte Gewalt eher ab – und umgekehrt. Die Forscher fanden auch Hinweise darauf, dass die Entscheidung für friedliche oder gewaltsame Proteste jeweils einer unterschiedlichen Logik folgt.

"Man kann sagen, dass religiöse Führer im Südsudan, die andere Religionen nicht tolerieren, eher religiös motivierte Gewalt befürworten“, sagt Matthias Basedau. „Demzufolge sollte man religiöse Führer stärker als Warnindikator für gewaltsame Ausschreitungen in Betracht beziehen."

Obwohl die Autoren ihre Forschungsergebnisse nicht über den Südsudan hinaus verallgemeinern wollen, betrachten sie diese als einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Erforschung von Konflikten und von Prozessen der politischen Mobilisierung.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

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