GIGA Focus Latin America

Lateinamerikas neue Mittelschicht: nachhaltiger Aufstieg?

Number 8 | 2013 | ISSN: 1862-3573


  • Nach Angaben der Weltbank ist die Mittelschicht in Lateinamerika in den Jahren 2003 bis 2009 um 50 Prozent gewachsen, von 103 auf 152 Millionen. Gleichzeitig sank der Bevölkerungsanteil der in Armut lebenden Menschen auf ein historisches Tief. Trotz dieser positiven Entwicklung werden in Lateinamerika zunehmend Stimmen laut, die sich nicht nur gegen den desolaten Zustand der öffentlichen Dienstleistungssysteme wenden, sondern auch die Nachhaltigkeit des sozialen Wandels infrage stellen.

    Analyse Wirtschaftswachstum, strukturelle Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, steigendes Bildungsniveau und Rückgang der Einkommensungleichheit gelten als Hauptindizien für das Wachstum der Mittelschicht in Lateinamerika. Dennoch haben die Regierungen entscheidende Investitionen versäumt, und breite Teile der Bevölkerung befinden sich weiterhin in einer unsicheren Lage; ihnen droht unter Umständen ein erneuter Abstieg in die Armut. Um die Nachhaltigkeit der positiven Trends der letzten Jahre zu gewährleisten, steht die Region heute vor einer Reihe alter und neuer Herausforderungen.

    • Die Ermittlung des Umfangs der Mittelschicht und die Definition des mit diesem Status verbundenen Lebensstandards sind nicht unumstritten. Es gibt ein breites Spektrum ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Ansätze, die hier zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

    • Dass breite Teile der Bevölkerung vom ressourcenbasierten Wirtschaftswachstum profitieren konnten, ist entscheidend auf die makroökonomische Stabilität in der Region zurückzuführen. Wirtschaftskrisen, von denen die Mittelschicht oft besonders hart getroffen wird, blieben aus.

    • Rückläufige Wachstumsprognosen, Defizite in den Bildungssystemen und in der Gesundheitsversorgung, Korruption und der mangelnde Ausbau der öffentlichen Infrastruktur gefährden jedoch zunehmend die Nachhaltigkeit des sozialen Aufstiegs.

    • Immer noch liegen zehn der 15 Länder mit der weltweit höchsten sozialen Ungleichheit in Lateinamerika. Die individuellen Zukunftschancen hängen dort weiterhin entscheidend vom familiären und schichtspezifischen Hintergrund ab.


    Footnotes


      Nach Angaben der Weltbank ist die Mittelschicht in Lateinamerika in den Jahren 2003 bis 2009 um 50 Prozent gewachsen, von 103 auf 152 Millionen. Gleichzeitig sank der Bevölkerungsanteil der in Armut lebenden Menschen auf ein historisches Tief. Trotz dieser positiven Entwicklung werden in Lateinamerika zunehmend Stimmen laut, die sich nicht nur gegen den desolaten Zustand der öffentlichen Dienstleistungssysteme wenden, sondern auch die Nachhaltigkeit des sozialen Wandels infrage stellen.

      Analyse Wirtschaftswachstum, strukturelle Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, steigendes Bildungsniveau und Rückgang der Einkommensungleichheit gelten als Hauptindizien für das Wachstum der Mittelschicht in Lateinamerika. Dennoch haben die Regierungen entscheidende Investitionen versäumt, und breite Teile der Bevölkerung befinden sich weiterhin in einer unsicheren Lage; ihnen droht unter Umständen ein erneuter Abstieg in die Armut. Um die Nachhaltigkeit der positiven Trends der letzten Jahre zu gewährleisten, steht die Region heute vor einer Reihe alter und neuer Herausforderungen.

      • Die Ermittlung des Umfangs der Mittelschicht und die Definition des mit diesem Status verbundenen Lebensstandards sind nicht unumstritten. Es gibt ein breites Spektrum ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Ansätze, die hier zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

      • Dass breite Teile der Bevölkerung vom ressourcenbasierten Wirtschaftswachstum profitieren konnten, ist entscheidend auf die makroökonomische Stabilität in der Region zurückzuführen. Wirtschaftskrisen, von denen die Mittelschicht oft besonders hart getroffen wird, blieben aus.

      • Rückläufige Wachstumsprognosen, Defizite in den Bildungssystemen und in der Gesundheitsversorgung, Korruption und der mangelnde Ausbau der öffentlichen Infrastruktur gefährden jedoch zunehmend die Nachhaltigkeit des sozialen Aufstiegs.

      • Immer noch liegen zehn der 15 Länder mit der weltweit höchsten sozialen Ungleichheit in Lateinamerika. Die individuellen Zukunftschancen hängen dort weiterhin entscheidend vom familiären und schichtspezifischen Hintergrund ab.



      Imprint

      The GIGA Focus is an Open Access publication and can be read on the Internet and downloaded free of charge at www.giga-hamburg.de/en/publications/giga-focus. According to the conditions of the Creative-Commons license Attribution-No Derivative Works 3.0 this publication may be freely duplicated, circulated and made accessible to the public. The particular conditions include the correct indication of the initial publication as GIGA Focus and no changes in or abbreviation of texts.

      The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

      GIGA Working Papers | 06/2010

      MDG Achievements, Determinants, and Resource Needs: What Has Been Learnt?

      Prof. Dr. Jann Lay

      Lead Research Fellow / Head of Research Programme "Globalisation and Development"

      GIGA Focus Africa | 1/2016

      Africa’s New Middle Class: Fact and Fiction of Its Transformative Power

      Dr. Lena Giesbert

      Formerly Associate

      Notification

      Sign up to receive email notifications about GIGA activities

      Social Media

      Follow us