GIGA Focus Global

„Friedensmission 2010“ – China als zentralasiatischer Akteur?

Number 10 | 2010 | ISSN: 1862-3581


  • Vom 9.-25. September 2010 fand in Kasachstan unter großem chinesischem Medienecho das jüngste Militärmanöver im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) – kurz "Friedensmission 2010" – statt.

    Analyse Die als Friedensmissionen betitelten Militärmanöver werden von der chinesischen Regierung stark gefördert und stellen für sie ein Zeichen der wachsenden militärischen Kooperation zwischen China, seinen zentralasiatischen Nachbarstaaten und Russland dar. Dagegen wird Chinas verstärktes Engagement in Zentralasien überwiegend mit großem Misstrauen betrachtet, woran auch die Gründung der SOZ im Jahr 2001 (als Nachfolger von "Shanghai 5"), in dessen Rahmen China mit Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, der Russischen Föderation und Usbekistan in verschiedenen Bereichen zusammenarbeitet, bislang nur wenig ändern konnte.

    • Im Gegensatz zu Russland sehen die zentralasiatischen Staaten China weiterhin als extra-regionalen Akteur an. Die Förderung der regionalen Integration in der Wirtschaft und der Politik wird vorrangig von Russland oder Kasachstan – kaum aber von China – erwartet.

    • Aus der Perspektive zentralasiatischer Experten fördert die SOZ zwar die Kooperation, aber nicht die politische Integration der beteiligten Staaten. Die SOZ wird vielmehr als eine Möglichkeit betrachtet, die Interessen der beiden Großmächte Russland und China in Zentralasien auszubalancieren. Unter der Bevölkerung sowohl Kasachstans als auch Kirgisistans ist eine unverkennbare, wenn auch teilweise irrationale Skepsis gegenüber China weit verbreitet.

    • Die Zukunft der SOZ als einer Regionalen Organisation Zentralasiens hängt davon ab, ob es ihr gelingen wird, nicht nur die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu regulieren, sondern China dabei helfen kann, seine Interessen und Ziele für und in der Region gegenüber seinen Partnern klarer zu formulieren und sich so deren Anerkennung als auf lange Sicht zuverlässiger regionaler Akteur zu verschaffen.


    Footnotes


      Vom 9.-25. September 2010 fand in Kasachstan unter großem chinesischem Medienecho das jüngste Militärmanöver im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) – kurz "Friedensmission 2010" – statt.

      Analyse Die als Friedensmissionen betitelten Militärmanöver werden von der chinesischen Regierung stark gefördert und stellen für sie ein Zeichen der wachsenden militärischen Kooperation zwischen China, seinen zentralasiatischen Nachbarstaaten und Russland dar. Dagegen wird Chinas verstärktes Engagement in Zentralasien überwiegend mit großem Misstrauen betrachtet, woran auch die Gründung der SOZ im Jahr 2001 (als Nachfolger von "Shanghai 5"), in dessen Rahmen China mit Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, der Russischen Föderation und Usbekistan in verschiedenen Bereichen zusammenarbeitet, bislang nur wenig ändern konnte.

      • Im Gegensatz zu Russland sehen die zentralasiatischen Staaten China weiterhin als extra-regionalen Akteur an. Die Förderung der regionalen Integration in der Wirtschaft und der Politik wird vorrangig von Russland oder Kasachstan – kaum aber von China – erwartet.

      • Aus der Perspektive zentralasiatischer Experten fördert die SOZ zwar die Kooperation, aber nicht die politische Integration der beteiligten Staaten. Die SOZ wird vielmehr als eine Möglichkeit betrachtet, die Interessen der beiden Großmächte Russland und China in Zentralasien auszubalancieren. Unter der Bevölkerung sowohl Kasachstans als auch Kirgisistans ist eine unverkennbare, wenn auch teilweise irrationale Skepsis gegenüber China weit verbreitet.

      • Die Zukunft der SOZ als einer Regionalen Organisation Zentralasiens hängt davon ab, ob es ihr gelingen wird, nicht nur die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu regulieren, sondern China dabei helfen kann, seine Interessen und Ziele für und in der Region gegenüber seinen Partnern klarer zu formulieren und sich so deren Anerkennung als auf lange Sicht zuverlässiger regionaler Akteur zu verschaffen.



      Nadine Godehardt

      Former Doctoral Researcher


      Daniel Krahl




      Imprint

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