Wonach suchen Sie?
GIGA Focus Nahost

Nach dem Gipfel von Sirt: Neuer Aufschwung für die arabischafrikanische Kooperation?

Nummer: 10 | 2010 | ISSN: 1862-3611

Am 10. Oktober 2010 fand in der libyschen Küstenstadt Sirt nach über dreißig Jahren die 2. Arabisch-afrikanische Gipfelkonferenz statt. An der gemeinsamen Konferenz der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union nahmen zahlreiche Staats- und Regierungschefs teil.

Analyse Bereits in den 1970er Jahren waren umfangreichere arabisch-afrikanische Kooperationsbestrebungen entstanden und auf der Gipfelkonferenz von Kairo im März 1977 institutionalisiert worden. Ziel war die Herbeiführung eines Interessenausgleichs – insbesondere zwischen den arabischen Erdölstaaten, die dank der Erdölrevolution über immense Deviseneinnahmen verfügten –, und den kapitalarmen, dafür aber rohstoff- und wasserreichen afrikanischen Staaten. Mit arabischer Finanzhilfe sollte die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas und die Versorgung der arabischen Staaten mit Nahrungsmitteln ("Brotkorbstrategie") und Rohstoffen umgesetzt werden.

  • Die Zusammenarbeit war von Anfang an belastet, weil die arabischen Staaten ihre finanzielle und wirtschaftliche Kooperationsbereitschaft – wenngleich unausgesprochen – von politischen Faktoren (primär Unterstützung ihrer Position im Nahostkonflikt) abhängig machten.

  • Die arabisch-afrikanische Kooperation war zwar paritätisch institutionalisiert, doch de facto hierarchisch geordnet. Die arabischen Staaten engagierten sich weniger für die gemeinschaftliche Kooperation an sich als für bilaterale Kooperationsbeziehungen, die sie besser kontrollieren konnten.

  • Der mit der Konferenz von Sirt beabsichtigte Neuanfang in der arabisch-afrikanischen Kooperation knüpft an die alte Konzeption des Interessenausgleichs und die gemeinsame Durchsetzung von arabisch-afrikanischen Interessen auf internationaler Ebene an.

  • Die betonte neue strategische Partnerschaft wird aber nur dann über 2010 hinaus Bestand haben, wenn die arabischen Staaten die politische Instrumentalisierung der arabisch-afrikanischen Kooperation aufgeben und diese nicht wieder für machtpolitische Ziele einsetzen.



Impressum

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

GIGA Focus

In den GIGA-Focus-Reihen veröffentlicht das GIGA Forschungsergebnisse und prägnante Analysen zu aktuellen Entwicklungen. Vier Reihen informieren jeweils über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost. In einer regionenübergreifenden Reihe werden globale Trends aufgegriffen.

Bild von einem blauen Schloss

Open Access

Open Access steht für den freien Zugang zu Forschungsergebnissen über das Internet – ohne finanzielle, technische oder gesetzliche Barrieren. Dies ermöglicht eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am wissenschaftlichen Fortschritt.

GIGA Online-Katalog

Nutzer:innen können online in den Beständen des IZ recherchieren. Diese umfassen auch die Datenbasis World Affairs Online (WAO) und somit mehr als 1 Mio. Titel zu Internationalen Beziehungen und Länderkunde, davon mehr als 100.000 mit Zugriff auf Online-Volltexte. Die WAO ist eine der größten sozialwissenschaftlichen Literaturdatenbasen in Europa. Der Katalog steht den Nutzer:innen in Deutsch und Englisch zur Verfügung.