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Der ISAF-Rückzug aus Afghanistan: Wahrnehmung und Reaktion regionaler Mächte

Nummer: 7 | 2012 | ISSN: 1862-3581

Die Geberländer Afghanistans beschlossen im Juli 2012 auf einer Konferenz in Tokio, den Wiederaufbau des Landes in den kommenden vier Jahren mit 16 Mrd. USD zu unterstützen. Eine vergleichbare Summe wurde im Mai 2012 auf dem NATO-Gipfel in Chicago für den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte zugesagt.

Analyse Die internationale Gemeinschaft ist bestrebt, der Regierung Afghanistans zu signalisieren, dass sie das Land nach dem Rückzug der ISAF-Truppen Ende 2014 nicht im Stich lassen wird. Dennoch besteht die Befürchtung, dass ein Machtvakuum und eine erneute Machtübernahme der Taliban das Land wieder ins Chaos stürzen könnten.

  • Von einer Destabilisierung Afghanistans wären die Nachbarstaaten am unmittelbarsten betroffen. Trotz ähnlicher Bedrohungswahrnehmungen verfolgen diese Staaten sehr unterschiedliche Ziele in Afghanistan, wodurch eine effektive regionale Kooperation verhindert wird.

  • Die USA möchten auch fernerhin ihren Einfluss in Afghanistan gewahrt sehen und bremsen Initiativen, die nicht ihren Interessen entsprechen.

  • Die USA verfolgen die Vision einer wirtschaftlich integrierten Region, in der Afghanistan das Kernstück einer „neuen Seidenstraße“ zwischen Zentral- und Südasien und dem Nahen Osten und Ostasien bildet. Die damit verbundene Vorstellung, dass wirtschaftliche Integration zu größerer Stabilität im Sicherheitsbereich führen wird, ist allerdings bestenfalls langfristig realisierbar. Kurzfristig werden politische Differenzen zwischen den Staaten der Region der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eher im Weg stehen.

  • China und Indien beabsichtigen, Afghanistan stärker in regionale Organisationen einzubinden und dadurch mit den eigenen Einflussgebieten zu vernetzen. Beide Staaten befürchten eine Destabilisierung Afghanistans nach 2014, die sich insbesondere durch eine Stärkung islamistischer Terrorgruppen direkt auf ihre eigene Sicherheit auswirken könnte.

  • Auch andere Staaten sind an der Entwicklung in Afghanistan interessiert. Iran verfolgt z.B. eine ambivalente Politik und fürchtet sowohl eine Fortsetzung des US-amerikanischen Einflusses nach 2014 als auch eine Machtübernahme durch die Taliban.



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