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Zivilisierung der Weltordnung. Vom Nutzen transnationaler Normbildungs-Netzwerke

GIGA Focus | Global | Nummer 11 | | ISSN 1862-3581

Zivilgesellschaftliche Organisationen, die epistemic community (Wissenschaftsgemeinschaft), und Lobbygruppen greifen mehr denn je in die Ausgestaltung der Weltwirtschaft und Weltpolitik ein. Sie schaffen – zusammen mit Staaten und internationalen Regierungsorganisationen – neue Normen; sie setzen Standards.

Analyse
Ein genauerer Blick verdeutlicht einige signifikante Muster der Weltpolitik und -wirtschaft in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise:

  • In Zeiten der Krise sind die Erwartungen an staatliches Krisenmanagement erfahrungsgemäß besonders hoch. Das war 1929/31 und in der unmittelbaren Nachkriegszeit so, das ist in der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise nicht anders. Das alleinige Zutrauen in nationalstaatliche Gestaltungskraft und zwischenstaatliche Kooperation ist aber irreführend, denn dabei werden die Gefahren des Handelns, das auf solchem Zutrauen beruht, nicht angemessen wahrgenommen.

  • Die Entwicklungschancen, die von neuen Szenarien und Akteurskonstellationen – transnationale Akteure, supranationale Organisationen und Nationalstaaten – geboten werden, geraten aus dem Blickfeld.

  • Die heutige Welt muss als vernetzt wahrgenommen und bewertet werden. In der globalisierten Welt, der Weltwirtschaft und der Weltpolitik spielen transnationale Netzwerke eine vielfach unterschätzte Rolle.

  • Die Nationalstaaten dieser Welt sind mithin nur noch Akteure unter vielen.

  • Die Globalisierung und die Erosion der Bedeutung von territorialen Grenzen schaffen zwar einerseits, wie nicht nur die bad networks transnational organisierter Kriminalität zeigen, Gefahren für erreichte demokratische Errungenschaften. Sie eröffnen andererseits aber auch Spielräume für eine neue zivile Weltordnung.

  • Es gilt, in dieser Phase der zunehmenden Vernetzung die Grundlagen für die Legitimität der transnationalen Akteure und für wirksame Normen zu schaffen. Dies wäre ein Beitrag zur demokratischen Zivilisierung der Welt.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Jakobeit, Cord, Robert Kappel und Ulrich Mückenberger (2009), Zivilisierung der Weltordnung. Vom Nutzen transnationaler Normbildungs-Netzwerke, GIGA Focus Global, 11, urn:nbn:de:0168-ssoar-275329

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