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Zivilgesellschaftliche Organisationen in Autokratien: Akteure des Wandels?

GIGA Focus | Global | Nummer 06 | | ISSN 1862-3581

Zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs) galten lange als Hoffnungsträger für die Demokratisierung. Aber spätestens seit dem "Arabischen Frühling" ist Ernüchterung eingekehrt. In Autokratien stützen CSOs vielfach die Macht der Regierungen.

Analyse
Zur Sicherung ihrer Macht streben autoritäre Regierungen danach, die Gesellschaft zu kontrollieren und zu steuern und insbesondere öffentliche Diskurse zu herrschaftsrelevanten Themen zu dominieren. Vielfach versuchen sie, CSOs für die Verteilung gesellschaftlicher Wohltaten einzuspannen, sie selektiv in Entscheidungsstrukturen einzubinden und dadurch politisch zu neutralisieren. Überregionale und politikfeldspezifische Vergleiche helfen, die Dynamiken von Beziehungen zwischen Staat und CSOs in Autokratien besser zu verstehen.

  • In den postsozialistischen Ländern Algerien, Mosambik und Vietnam beeinflusst der Staat die Art der internen Willensbildung, die Wahl von Aktivitäten und die Auswahl von Führungspersonal in bzw. durch die CSOs.

  • In allen drei Ländern kooptiert der Staat im Wirtschaftsbereich aktive CSOs. In Algerien und Mosambik tragen CSOs zum Erhalt der staatlichen Diskursmacht im Bereich Gender und Frauenrechte bei, in Vietnam haben sie Teil sowohl an deren Erhalt als auch deren Schwächung. Während CSOs in Algerien und Vietnam eher die Macht des Staates im Wohlfahrtsbereich stützen – konkret bei der Bekämpfung von HIV/AIDS ‒, tragen mosambikanische CSOs in diesem Bereich tendenziell dazu bei, die Macht des Staates zu schwächen.

  • (Entwicklungs-)politische Akteure sollten auf die Durchsetzung der Rechte von Bürgern, sich zu organisieren, drängen. Bei der Zusammenarbeit mit CSOs in Autokratien ist zu prüfen, ob diese zur Verfestigung autoritärer Strukturen beitragen. Geberländer sollten CSOs dabei unterstützen, innerorganisatorische Willensbildungsprozesse demokratisch zu gestalten.

GIGA-Forschung zum Thema

Vorgeschlagene Zitierweise

Wischermann, Jörg, et al. (2015), Zivilgesellschaftliche Organisationen in Autokratien: Akteure des Wandels?, GIGA Focus Global, 06, Oktober, urn:nbn:de:0168-ssoar-450102

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Global: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Dr. Jörg Wischermann ist assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA Institut für Asien-Studien, Hamburg. Er war akademischer Leiter des Projekts "Civil Society Organizations as Supporters of Authoritarian Rule? A Cross-Regional Comparison (Vietnam, Algeria, Mozambique)", das von der DFG gefördert wurde.

Dr. Bettina Bunk

Assoziiert

Bettina Bunk ist assoziierte wissenschaftliche Mitarbeiterin am GIGA Institut für Afrika-Studien und Doktorandin der Politikwissenschaften an der Universität Potsdam. Sie hat vor kurzem ihre Doktorarbeit mit dem Focus auf Governance und die Politik der lokalen Wirtschaftsentwicklung in Südafrika und Mosambique eingereicht.

Prof. Dr. Patrick Köllner

Vizepräsident
Direktor des GIGA Instituts für Asien-Studien

Prof. Dr. Patrick Köllner ist Vizepräsident des GIGA German Institute of Global and Area Studies, Direktor des GIGA Instituts für Asien-Studien und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Sein Forschungsgebiet umfasst Think Tanks in Asien, australisch-asiatische Politiken gegenüber China und vergleichende Regionalstudien.

Jasmin Lorch ist Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie forscht unter anderem zu zivilgesellschaftlichen Entwicklungen im Maghreb und in Asien.

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