GIGA Focus Global ,

Wann, wie und warum enden Kriege?

GIGA Focus | Global | Nummer 04 | | ISSN 1862-3581

Am 18. Mai 2010 jährt sich die vollständige Niederlage der "Tamil Tigers" in Sri Lanka. Der über 25 Jahre andauernde Bürgerkrieg endete mit einem militärischen Sieg der Regierungsarmee über die Rebellen. Diese Form der Kriegsbeendigung bestimmt fortwährend die innen- und außenpolitischen Perspektiven des Landes.

Analyse
Das äußerst blutige Ereignis in Sri Lanka ruft in Erinnerung, dass Kriege nicht nur durch Friedensverhandlungen beendet werden. Allerdings dürften militärische Niederlagen einer der Kriegsparteien oder ein "Siegfrieden" wie in Sri Lanka inzwischen eine Ausnahme darstellen.

  • Wann Kriege als beendet gelten können, ist durchaus umstritten. Der formale Friedensschluss ist nur selten genau der Zeitpunkt, an dem die Feindseligkeiten eingestellt werden. Wenn Feindseligkeiten erneut ausbrechen, bleibt oft unklar, ob es sich um die Fortsetzung desselben oder die Entstehung eines neuen Krieges handelt. Diese Frage ist aber für die Vermittlungspraxis von entscheidender Relevanz.

  • Kriege (insbesondere Bürgerkriege) können auf verschiedene Art und Weise beendet werden: a) durch den militärischen Sieg einer Seite, b) durch Friedensschlüsse nach einem militärischen Patt, c) durch Intervention Dritter und d) mittels Transformation in einen gewaltsamen Konflikt "niedriger Intensität". Dabei erfolgt die Intervention Dritter oft mit dem Ziel, entweder einer Kriegspartei zum Sieg zu verhelfen oder einen Friedensschluss zu erzwingen und dann seine Befolgung zu garantieren.

  • Kriege enden am häufigsten, wenn alle oder einzelne Kriegsparteien militärisch, materiell oder ideell nicht mehr in der Lage sind, ihren Widerstand aufrechtzuerhalten. Diese allgemeine Feststellung ist aber keineswegs an objektiven Kriterien zu messen. Die Hauptakteure entscheiden nach ihrer eigenen Wahrnehmung und Rationalität, wann diese Situation erreicht ist. Gerade "hoffnungslose" Situationen können zu einer Verlängerung der Kampfhandlungen führen, wenn eine Konfliktpartei die letzten Reserven mobilisiert.

  • Das Verstehen der oft widersprüchlichen Handlungslogiken kriegführender Parteien ist eine Voraussetzung dafür, dass internationale Vermittler die richtigen Schlüsse ziehen und nicht voreilig Lösungen anbieten, die sich schnell als wenig haltbar erweisen. Dies zeigen die Fälle Côte d’Ivoire, Nepal und Sri Lanka.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Destradi, Sandra, und Andreas Mehler (2010), Wann, wie und warum enden Kriege?, GIGA Focus Global, 04, urn:nbn:de:0168-ssoar-286574

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Global: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Prof. Dr. Sandra Destradi hat die Professur für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Regional Governance an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg inne und leitet den Forschungsschwerpunkt 4 "Macht und Ideen" am German Institute for Global and Area Studies (GIGA).

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Johannes Plagemann / Sandra Destradi

The Foreign Policy of Populists

Horizons, Winter 2020, 2020, Issue No. 15, 110-118

Sandra Destradi / Christian von Soest

Internationales Krisenmanagement

in: Frank Bösch / Nicole Deitelhoff / Stefan Kroll (eds.), Handbuch Krisenforschung, Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2020, 233-248

Johannes Plagemann / Sandra Destradi / Amrita Narlikar (eds.)

India Rising: A Multilayered Analysis of Ideas, Interests, and Institutions

New Delhi: Oxford University Press, 2020

Sandra Destradi

The finances of the Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)

in: Ulf Engel / Frank Mattheis (eds.), The Finances of Regional Organisations in the Global South, Routledge, 2020, 206-220

Sandra Destradi / Johannes Plagemann

Populism and international relations: (un-)predictability, personalization, and the reinforcement of existing trends in world politics

Review of International Studies, 45, 2019, Special Issue 5 (Special Issue on Populism), 711-730