Robert Kappel

Verschiebung der globalen Machtverhältnisse durch den Aufstieg von Regionalen Führungsmächten: China, Indien, Brasilien und Südafrika

GIGA Working Paper, No. 146, September 2010

Abstract
Eine Reihe von Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika steigen zu wichtigen Akteuren auf und verschieben die Koordinaten in der Weltpolitik und ‐wirtschaft. Die politischen und wirtschaftlichen Verschiebungen zugunsten dieser Regionalen Führungsmächte gehen mit einem relativen Bedeutungsverlust der USA, Japans und der EU einher. Sie werden durch das wirtschaftliche Wachstum und das politisch‐militärische bzw. geostrategische Agieren der Regionalen Führungsmächte zunehmend herausgefordert. Während Konzeption und Debatte über Regionale Führungsmächte maßgeblich von politikwissenschaftlicher Forschung geprägt sind, leistet das Working Paper einen Beitrag zur Theorie der Regionalen Führungsmächte aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive. Ausgehend von der Diskussion unterschiedlicher Konzepte wirtschaftlicher Macht (beispielsweise von Schumpeter, Perroux, Predöhl und Kindleberger), Konzepten zu technologischer Führerschaft und der Forschung über globale Wertschöpfungsketten wird ein Forschungsrahmen für die wirtschaftswissenschaftliche Analyse der Regionalen Führungsmächte entwickelt, der im Folgenden durch beschreibende Statistik und Regressionsanalyse an den Beispielländern Brasilien, China, Indien und Südafrika gestestet wird. Da wirtschaftliche Macht ein relationales Konzept ist, wird die Beziehung der Regionalen Führungsmächte zu anderen Ländern der jeweiligen Region untersucht. Anhand der Ergebnisse sind begrenzte Aussagen über die Ökonomie der Regionalen Führungsmächte möglich: Eine Regionale Führungsmacht kann demnach als eine Volkswirtschaft mit verhältnismäßig großer Bevölkerung und Landfläche beschrieben werden, die eine dominante Rolle im Handel der Region und der regionalen Governance‐Struktur einnimmt. Die Regionale Führungsmacht entwickelt ihre technologischen Fähigkeiten weiter und ihre Unternehmungen agieren mit zunehmender Stärke sowohl auf regionalem als auch globalem Niveau.

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