GIGA Focus Nahost ,

Steigende Temperaturen in schwachen Staaten: Klimawandel und Gewalt im Nahen Osten

GIGA Focus | Nahost | Nummer 01 | | ISSN 1862-3611

Am 30. Januar 2014 verabschiedete der Weltklimarat den ersten Teil seines jüngsten Sachstandsberichtes. Auf der Basis verbesserter Klimamodelle warnt er noch eindringlicher als im Vorgängerbericht von 2007 vor den Folgen des Klimawandels. Die Länder des Nahen Ostens werden besonders stark betroffen sein.

Analyse
Steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge können die Verfügbarkeit lebenswichtiger Ressourcen verringern. Das Risiko gewaltsamer Konflikte steigt vor allem dann, wenn solche Umweltveränderungen auf schwache politische Institutionen und Strukturen treffen – wie dies in vielen Ländern des Nahen Ostens der Fall ist.

  • Klimaprognosen sagen einen weltweiten Anstieg der Temperaturen und eine zunehmende Wasserknappheit voraus. Im Nahen Osten zeichnen sich die Folgen dieser Entwicklung schon jetzt deutlich ab.

  • Bereits in der Vergangenheit haben langfristige Umweltveränderungen auf direktem oder indirektem Wege zur Gewalt im Nahen Osten beigetragen – etwa im Jemen, Irak, Sudan oder in Syrien. Im Westen des Sudan beispielsweise kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um fruchtbare Landstriche; im Süden des Jemen ist Wasser der häufigste Konfliktgegenstand in ländlichen Gebieten.

  • Dennoch sind neo-malthusianische Prognosen einer zwangsläufigen Gewalteskalation ungerechtfertigt: Entscheidender als die Umweltveränderungen selbst ist der staatliche Umgang mit der Verknappung von Ressourcen und dessen Folgen. Klimaveränderungen können zwar Verteilungskonflikte verschärfen; wie diese aber letztendlich ausgetragen werden, hängt primär von der Qualität und Kapazität der jeweiligen politischen Institutionen ab.

  • Umso wichtiger wird es für besonders betroffene Staaten, frühzeitig Maßnahmen zur Adaption an den Klimawandel vorzubereiten und umzusetzen. Dadurch kann verhindert werden, dass langfristige Umweltveränderungen die politische und wirtschaftliche Fragilität weiter verstärken.

GIGA-Forschung zum Thema

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Vorgeschlagene Zitierweise

De Juan, Alexander, und Sarah Schwahn (2014), Steigende Temperaturen in schwachen Staaten: Klimawandel und Gewalt im Nahen Osten, GIGA Focus Nahost, 01, Februar, urn:nbn:de:0168-ssoar-372312

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Thomas Richter

Dr. Alexander De Juan ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Rolle von Institutionen in innerstaatlichen Konflikten, die Entwicklung von Staaten in Kontexten von bewaffneten Konflikten und Fragilität sowie Entwicklungsinterventionen in Staaten, die von Konflikten betroffen sind.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Alexander De Juan / Carlo Koos

The historical roots of cooperative behavior: Evidence from Eastern Congo

World Development, 116, 2019, 100-112

Alexander De Juan / Eva Wegner

Social Inequality, State-centered Grievances, and Protest: Evidence from South Africa

Journal of Conflict Resolution, 63, 2019, 1, 31-58

Christian von Soest / Alexander De Juan

Der Umgang mit neuen Sicherheitsbedrohungen in Afrika

GIGA Focus Afrika, 02/2018

Alexander De Juan / Michael Schiess

Brotkorb und Konfliktherd – Landinvestitionen in der Republik Sudan

GIGA Focus Nahost, 02/2018