GIGA Focus Lateinamerika

Parteieninternationalen in Lateinamerika

GIGA Focus | Lateinamerika | Nummer 02 | | ISSN 1862-3573

Am 23. Januar 2012 berichtete Der Spiegel, Parteichef Sigmar Gabriel habe verkündet, seine Partei wolle den diesjährigen Mitgliedsbeitrag an die Sozialistische Internationale (SI) in Höhe von 100.000 britischen Pfund nicht auszahlen. Der stärkste Beitragszahler könne nicht länger zulassen, "dass die SPD mit Verbrechern an einem Tisch sitze".

Analyse
Der Unmut in der deutschen Sozialdemokratie über einige Mitgliedsparteien in der traditionsreichen SI wirft ein Schlaglicht auf die Rolle, Stärke und Zusammensetzung der internationalen Parteienorganisationen. Der Blick auf Lateinamerika zeigt: Die großen, von europäischen Parteien geprägten Parteieninternationalen sind dort stärker präsent als in anderen außereuropäischen Weltregionen.

  • Die Mitgliedsparteien der SI stellen im Januar 2012 in neun von 18 lateinamerikanischen Ländern den Präsidenten; in drei weiteren Ländern sind sie an der Regierung beteiligt. In Südamerika gehören jedoch die Parteien von acht der zehn amtierenden Präsidenten keiner der globalen Parteienzusammenschlüsse an.

  • Mitgliedsparteien der SI sind in Lateinamerika häufiger an der Regierung beteiligt als die aller anderen Parteieninternationalen zusammen. Die SI ist außerdem der Parteienzusammenschluss mit der stärksten parlamentarischen Präsenz; es folgen die christdemokratische Organización Demócrata Cristiana de América (ODCA) und die konservative Unión de Partidos Latinoamericanos (UPLA) – beides genuin regionale Organisationen.

  • Die neue Linke in Lateinamerika gehört nicht der SI an. Viele dieser linken Parteien haben sich dem so genannten Foro de São Paulo angeschlossen, einer weiteren genuin lateinamerikanischen Organisation, in der Parteien mit sozialen Organisationen zusammenarbeiten.

  • Demonstratives Desinteresse an europäischen Politikmodellen, wie es ein Teil der lateinamerikanischen Linken (etwa die Präsidenten von Bolivien, Ecuador oder Venezuela) manifestiert, kontrastiert auf der politischen Rechten mit regelmäßigen Sympathiebekundungen gegenüber politisch wahlverwandten Kollegen – wie zuletzt beim Wahlsieg von Mariano Rajoy vom konservativen Partido Popular (PP) in Spanien.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Nolte, Detlef (2012), Parteieninternationalen in Lateinamerika, GIGA Focus Lateinamerika, 02, urn:nbn:de:0168-ssoar-288784

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Lateinamerika: Dr. Daniel Flemes

Prof. Dr. Detlef Nolte ist Direktor des GIGA Instituts für Lateinamerika-Studien (2006-Mai 2018) und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Er forscht zu politischen Institutionen in Lateinamerika, regionaler Zusammenarbeit und den internationalen Beziehungen Lateinamerikas.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Detlef Nolte

Lateinamerika und die USA

in: Günther Maihold / Hartmut Sangmeister / Nikolaus Werz (eds.), Lateinamerika: Handbuch für Wissenschaft und Studium, 2019, 344-354

Peter Birle / Detlef Nolte (eds.)

50 Jahre Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung ADLAF

Frankfurt am Main: ADLAF, 2019

Detlef Nolte

Lo bueno, lo malo, lo feo y lo necesario: pasado, presente y futuro del regionalismo Latinoamericano

Revista uruguaya de ciencia política, 28, 2019, 1, 131-156

Andrés Serbin / Andrei Serbin Pont (eds.)

Why should the European Union have any relevance for Latin America and the Caribbean?

Hamburg: EU-LAC Foundation, 2019