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Optimismus trotz steigender Gewalt: Afghanistan nach dem ISAF-Abzug

GIGA Focus | Nahost | Nummer 05 | | ISSN 1862-3611

Am 22. Juni 2015 griffen Taliban das afghanische Parlament in Kabul an und attackierten damit erneut eine staatliche Einrichtung im Zentrum der politischen Macht. Sechs Monate nach dem Ende des 13-jährigen NATO-Kampfeinsatzes nehmen im Westen Befürchtungen vor einer weiteren Eskalation der Gewalt und einer Machtzunahme der Taliban zu.

Analyse
Seit dem Ende des ISAF-Truppenabzugs kommt es vermehrt zu direkten Kämpfen zwischen afghanischen nationalen Sicherheitskräften und den Taliban. Die objektive Sicherheitssituation für die Bevölkerung hat sich verschlechtert. Dennoch bewerten viele Menschen im Norden des Landes die Folgen des Truppenabzugs Ende 2014/Anfang 2015 optimistischer als noch im Jahr 2012.

  • Die Anzahl der Gewaltopfer ist seit dem Jahr 2012 landesweit deutlich angestiegen und hat mit 3.699 zivilen Toten und 6.849 Verletzten im Jahr 2014 einen neuen Höchststand erreicht.

  • Die Zunahme direkter gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, lokalen Milizen und den Taliban erhöhen die Gefahr eines neuen Bürgerkriegs in Afghanistan.

  • Ungeachtet dieser Entwicklung zeigen Meinungsumfragen aus dem Norden des Landes aus dem Jahr 2012 und von Ende 2014 bzw. Anfang 2015, dass die Befragten mögliche Sicherheitsrisiken des ISAF-Truppenabzugs inzwischen deutlich geringer einschätzen als noch im Jahr 2012.

  • Die Wahlen und die Regierungsbildung im Jahr 2014, die stärkere Präsenz der afghanischen Sicherheitskräfte und die anhaltende internationale Unterstützung des Landes könnten für die positiveren Einschätzungen der Jahre 2014/2015 verantwortlich sein.

  • Die jüngste Taliban-Offensive seit April 2015 verdeutlicht aber auch die Volatilität der Sicherheitslage. Es besteht das Risiko, dass diese Entwicklungen die vorsichtig optimistische Stimmung in der Bevölkerung wieder zunichte machen.

GIGA-Forschung zum Thema

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Vorgeschlagene Zitierweise

Koehler, Jan , Kristóf Gosztonyi und Alexander De Juan (2015), Optimismus trotz steigender Gewalt: Afghanistan nach dem ISAF-Abzug, GIGA Focus Nahost, 05, Juli, urn:nbn:de:0168-ssoar-440032

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Prof. Dr. Henner Fürtig

Dr. Alexander De Juan ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA Institut für Nahost-Studien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Rolle von Institutionen und Identitäten in Bürgerkriegen sowie Fragen des externen Staatsaufbaus in Nachkriegsgesellschaften.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Alexander De Juan

“Traditional” Resolution of Land Conflicts: The Survival of Precolonial Dispute Settlement in Burundi

Comparative Political Studies, 50, 2017, 13, 1835-1868

Alexander De Juan / Fabian Krautwald / Jan Pierskalla

Constructing the State: Macro Strategies, Micro Incentives, and the Creation of Police Forces in Colonial Namibia

Politics & Society, 45, 2017, 2, 269-299

Alexander De Juan / Jan Pierskalla

The Comparative Politics of Colonialism and Its Legacies: An Introduction

Politics & Society, 45, 2017, 2, 159-172

Alexander De Juan

Geospatial Analyses of Non-State Actors in Violent Conflicts

in: Andreas Kruck / Andrea Schneiker (eds.), Researching Non-state Actors in International Security. Theory and Practice, Abingdon / New York: Routledge, 2017, 143-158