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Neue Bundesstaaten in Indien – eine Gefahr für die nationale Einheit?

GIGA Focus | Asien | Nummer 09 | | ISSN 1862-359X

Der Bundesstaat Andhra Pradesh steht vor der Teilung. Zwischenwahlen haben die Forderungen der Autonomiebewegung der Region Telangana verstärkt, nachdem im Dezember 2009 die Zusage zur Bildung eines neuen Bundesstaates von der Zentralregierung widerrufen worden war. Diese Ereignisse heizen in Indien die Debatte über die Bildung weiterer neuer Bundesstaaten an.

Analyse
Das föderale System Indiens hat sich seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947 kontinuierlich verändert. Dabei können drei "Wellen" der Neuziehung bundesstaatlicher Grenzen identifiziert werden: In den 1950er bis 1960er Jahren führte die Forderung nach sprachlich-kultureller Homogenität zur Bildung neuer Bundesstaaten; in den 1970er Jahren waren die Hauptmotive dafür die Befriedung des Nordostens und die Gewährung vermehrter Autonomierechte; im Jahr 2000 waren parteipolitische und wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für die Bildung von drei neuen und den Anstieg auf damit insgesamt 28 Bundesstaaten.

  • Die drei neuen Bundesstaaten Jharkhand, Chhattisgarh und Uttarakhand wiesen in den letzten zehn Jahren ein höheres Wirtschaftswachstum als ihre ehemaligen Mutterstaaten Bihar, Madhya Pradesh und Uttar Pradesh auf.

  • Trotz dieser Erfolge bietet eine Abspaltung rückständiger Gebiete von ihren Mutterstaaten keine Garantie für schnellere Entwicklung und größere soziale und politische Gerechtigkeit.

  • Die recht positive Bilanz der drei neuesten Bundesstaaten und die zwischenzeitliche Nachgiebigkeit der Zentralregierung im Fall Telangana haben weitere Autonomiebewegungen in ganz Indien beflügelt. Meistens handelt es sich dabei um rückständige und vom Staat vernachlässigte Gebiete, die sich durch größere Autonomie bessere Entwicklungschancen versprechen.

  • Trotz dieser Tendenzen ist eine Zersplitterung Indiens nicht zu befürchten, da die meisten Bewegungen keine Sezession, sondern größere Autonomie im Rahmen des föderalen Systems fordern. Zudem hat Indien bewiesen, dass es durch sein demokratisches und föderales System der Vielfalt seiner Bevölkerung Rechnung trägt.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Beck, Gertraud, Sandra Destradi und Daniel Neff (2010), Neue Bundesstaaten in Indien – eine Gefahr für die nationale Einheit?, GIGA Focus Asien, 09, urn:nbn:de:0168-ssoar-274093

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Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Asien: Prof. Dr. Heike Holbig

Prof. Dr. Sandra Destradi hat die Professur für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Regional Governance an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg inne und leitet den Forschungsschwerpunkt 4 "Macht und Ideen" am German Institute for Global and Area Studies (GIGA).

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India Rising: A Multilayered Analysis of Ideas, Interests, and Institutions

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in: Ulf Engel / Frank Mattheis (eds.), The Finances of Regional Organisations in the Global South, Routledge, 2020, 206-220