GIGA Focus Lateinamerika ,

Kriminalität und Gewalt untergraben Lateinamerikas Demokratien

GIGA Focus | Lateinamerika | Nummer 05 | | ISSN 1862-3573

Lateinamerika gilt als eine der erfolgreichsten Regionen der dritten Demokratisierungswelle. Die demokratische Konsolidierung ist allerdings gefährdet: zum einen durch zunehmende organisierte Kriminalität und Gewalt, zum anderen durch den Einsatz des Militärs zu deren Bekämpfung. Hieran ändern auch die Festnahmen bekannter Drogenbosse in Mexiko im Juli und August dieses Jahres nichts.

Analyse
Die Demokratisierung bleibt in vielen Ländern Lateinamerikas aufgrund des hohen Gewaltniveaus fragil. Fortbestehende Sonderrechte des Militärs erlauben nur partielle Reformen des Sicherheitssektors. Die Konsolidierung demokratischer Rechtsstaatlichkeit und die Bearbeitung historischer Konflikte werden einem kurzsichtigen Verständnis von „Sicherheit“ untergeordnet.

  • Mit der Demokratisierung wurde in Lateinamerika Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung geächtet. Gleichzeitig nahm allerdings die nicht politisch motivierte Gewaltkriminalität zu. Am stärksten betroffen sind hier Mexiko, Guatemala, Honduras, El Salvador und Brasilien.

  • Lateinamerikas Transformationsprozesse beruhen überwiegend auf Pakten, mit denen die staatlichen Sicherheitskräfte aus der Regierung verdrängt werden konnten, wobei ihnen allerdings ein hohes Maß an Autonomie verblieb.

  • Die Gleichzeitigkeit von Demokratisierung und Gewaltanstieg stellte die betroffenen Gesellschaften und Regierungen vor große Herausforderungen. Notwendige Sicherheitssektorreformen verliefen schleppend oder wurden mit Verweis auf Probleme der öffentlichen Sicherheit gebremst.

  • Die Betonung der öffentlichen Sicherheit führt außerdem dazu, dass historische Konflikte kaum aufgearbeitet und politische und soziale Proteste häufig kriminalisiert werden. Die Wechselwirkung zwischen blockierten Reformen und dem repressiven Umgang mit Gewalt untergräbt in einigen Ländern der Region die Demokratisierung.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Kurtenbach, Sabine, und Christoph Heuser (2013), Kriminalität und Gewalt untergraben Lateinamerikas Demokratien, GIGA Focus Lateinamerika, 05, urn:nbn:de:0168-ssoar-355150

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Lateinamerika: Dr. Daniel Flemes

Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Komm. Direktorin des GIGA Instituts für Lateinamerika-Studien
Gesamtredaktion GIGA Focus
Redaktion GIGA Focus Global

Prof. Dr. Sabine Kurtenbach ist Politikwissenschaftlerin, kommissarische Direktorin des GIGA Instituts für Lateinamerika-Studien und Honorarprofessorin an der Philipps-Universität Marburg. Sie forscht zu Frieden, Konflikten und Gewalt mit regionalem Schwerpunkt Lateinamerika, aber auch darüber hinaus.

Christoph Heuser ist Associate am GIGA Institut für Lateinamerika-Studien. Er forscht zu illegalen Ökonomien, Organisierter Kriminalität und zu Staatsformation sowie zu State Building in marginalisierten Regionen. In seiner Doktorarbeit hat er die Auswirkungen der Drogenökonomie in Kokaanbaugebieten Perus analysiert.

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Los Estados en los márgenes: soberanía y gubernamentalidad en el principal valle cocalero peruano

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The Effect of Illicit Economies in the Margins of the State – The VRAEM

Journal of Illicit Economies and Development, 1, 2019, 1, 23–36

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The limits of peace in Latin America

Peacebuilding, 7, 2019, 3, 283-296

Sabine Kurtenbach / Angelika Rettberg

War economies and post-war crime

London: Routledge Francis and Taylor Group, 2019

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Venezuela – Wahlen allein reichen nicht

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