GIGA Focus Nahost

Jordaniens Innenpolitik im Schatten des Islamischen Staates

GIGA Focus | Nahost | Nummer 09 | | ISSN 1862-3611

Am 24. Dezember 2014 nahm die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) den jordanischen Piloten Mu‘az Kasasbeh nach dem Absturz seines Kampfflugzeuges unweit der syrischen Stadt Raqqa gefangen. Am 3. Februar 2015 veröffentlichte der IS obendrein ein Video von seiner brutalen Ermordung durch Verbrennen. Als Reaktion darauf ließ die jordanische Regierung zwei irakische Jihadisten hinrichten und weitete ihren Kriegseinsatz gegen den IS aus.

Analyse
Die gewaltsame Reaktion der jordanischen Monarchie befriedigte kurzfristig ein Rachebedürfnis und demonstrierte Härte im Kampf gegen den IS. Das Schicksal von Kasasbeh fand großes Mitgefühl in der Bevölkerung und die staatliche Reaktion stieß zunächst auf breite Zustimmung. Dennoch können die drakonischen Maßnahmen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Jordanien beträchtliche Widersprüche zwischen Regierung und Opposition gibt.

  • Spätestens seit dem Arabischen Frühling im Jahr 2011 zeigt die jordanische Bevölkerung eine große Unzufriedenheit mit der herrschenden Monarchie. Die neu gegründete Protestbewegung Hirak, die Muslimbrüder (MB) sowie kleinere salafistische Gruppierungen dominieren seitdem die Opposition des Landes.

  • Der Aufstieg des IS im Irak und in Syrien wirkte sich auch auf Jordanien aus: Die Strategie des Regimes, die moderaten MB zu schwächen und gleichzeitig salafistische und jihadistische Anführer je nach Anlass zu instrumentalisieren, war nur begrenzt erfolgreich. Viele Jordanier lehnten zudem die militärische Beteiligung an der Anti-IS-Koalition ab.

  • Kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Videos über die grausame Hinrichtung von Kasasbeh folgte die Bekanntgabe der Aufstockung der US-Finanzhilfe für die jordanische Regierung sowie die Haftentlassung des jihadistischen Vordenkers Abu Muhammad al-Maqdisi.

  • All dies unterstreicht die immense Bedeutung der "Causa Kasasbeh" für die jordanische Politik. Kurzfristig dürfte sie die Monarchie stabilisieren. Mittelfristig wird jedoch entscheidend sein, ob König Abdallah (II) jenseits der Logik des „Krieges gegen den Terror“ grundlegende politische Reformen in Jordanien umsetzen wird. Geschieht dies nicht, sind neue Konflikte mit der Opposition vorprogrammiert.

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Vorgeschlagene Zitierweise

Bank, André (2014), Jordaniens Innenpolitik im Schatten des Islamischen Staates, GIGA Focus Nahost, 09, Dezember, urn:nbn:de:0168-ssoar-420761

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

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Dr. André Bank ist Senior Research Fellow am GIGA Institut für Nahost-Studien. Gegenwärtig leitet er das von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) geförderte Projekt „Neben-Kriegsschauplätze: Der Syrienkrieg in Jordanien“. Zudem ist er Sprecher des von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Forschungsnetzwerks „International Diffusion and Cooperation of Authoritarian Regimes“ (IDCAR). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Autoritarismus, Konfliktdynamiken und regionale Ordnung im Nahen Osten.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

André Bank

Comparative Area Studies and the Study of Middle East Politics after the Arab Uprisings

in: Ariel I. Ahram / Patrick Köllner / Rudra Sil (eds.), Comparative Area Studies: Methodologies Rationales and Cross-Regional Applications, New York: Oxford University Press, 2018, 119-129

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Gemeinsam stabiler: wie autoritäre Regime zusammenarbeiten

GIGA Focus Global, 02/2017

André Bank / Christiane Fröhlich / Andrea Schneiker

The Political Dynamics of Human Mobility: Migration out of, as and into Violence

Global Policy, 8, 2017, S1, 12-18

André Bank / Christiane Fröhlich / Andrea Schneiker

Migration aus der Gewalt, als Gewalt und in die Gewalt: Konzeptionelle Überlegungen zum Zusammenhang von menschlicher Mobilität und politischer Gewalt

Die Friedens-Warte: Journal of International Peace and Organization, 91, 2016, 1-2, 127-150

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