GIGA Focus Nahost

Ein Jahr "Arabischer Frühling": Auslöser, Dynamiken und Perspektiven

GIGA Focus | Nahost | Nummer 12 | | ISSN 1862-3611

Am 17. Dezember 2010 löste die Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi den Arabischen Frühling aus. In wenigen Monaten fegte eine Protestwelle die Despoten von Tunesien, Ägypten und Libyen hinweg. Unvermindert halten seitdem Demonstrationen und Aufstände eine Region in Atem, die bislang als stabil autoritär regiert und weitgehend demokratieresistent galt.

Analyse
Seit Beginn des Arabischen Frühlings wurden in Nordafrika und im Nahen Osten zahlreiche Parteien und Medien, deren Focus auf kritischer Berichterstattung liegt, gegründet. Es fanden Parlamentswahlen und Verfassungsdebatten statt, und der öffentliche Diskurs wird seither von offener Kritik an den verbliebenen Autokratien bestimmt. Wie grundlegend und nachhaltig diese Veränderungen sein werden, lässt sich auch nach einem Jahr noch nicht verlässlich beurteilen. Dennoch können in einer Zwischenbilanz einige markante Eckpunkte festgehalten werden.

  • Die anfängliche Spontaneität und Leichtigkeit, mit der die Oppositionsbewegungen die autoritären Regime in Frage stellten, verblüfften nicht nur westliche Beobachter, sondern auch die arabischen Herrscher. Nach der ersten Überraschung kehrten sie – bislang nur mit begrenztem Erfolg – zu ihren alten Methoden der Herrschaftsstabilisierung zurück.

  • Auslöser, Verlaufsformen und Intensität der Proteste unterscheiden sich von Land zu Land. Auch die Reaktionen der Regime reichten von vorsichtigem Entgegenkommen bis zu gewaltsamer Repression.

  • In den meisten arabischen Ländern leiden die Regime an massiven Legitimitätsdefiziten, und die Bürger verlangen, endlich gerechter am politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehen partizipieren zu dürfen. Ihre Proteste weisen ähnliche Symbole und wechselseitige Bezüge auf. Diese Parallelen lassen es gerechtfertigt erscheinen, von einem epochalen Arabischen Frühling zu sprechen, der die gesamte Region dauerhaft verändern wird.

  • In einigen arabischen Ländern zeichnet sich dabei eine Stärkung religiöser Kräfte ab. Gemäßigte Islamisten gelten mittlerweile vielen Menschen als kompetente und verlässliche Alternative zu den bisherigen Regimen.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Rosiny, Stephan (2011), Ein Jahr "Arabischer Frühling": Auslöser, Dynamiken und Perspektiven, GIGA Focus Nahost, 12, urn:nbn:de:0168-ssoar-289102

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Nahost: Dr. Alexander De Juan