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Aufrüstung neuer Mächte: China, Indien, Brasilien und Iran

GIGA Focus | Global | Nummer 01 | | ISSN 1862-3581

Brasilien, China, Indien und Iran untermauern ihre globalen und regionalen Ambitionen mit dem Ausbau ihrer Kriegswaffenarsenale. Der militärische Modernisierungsprozess Beijings hat das Land als regionalen und globalen Machtpol weiter konsolidiert. Auch Indien und Brasilien haben ihre konventionellen Rüstungsapparate in der jüngsten Vergangenheit erheblich ausgebaut und damit bereits bestehende Machtasymmetrien in ihren Regionen verstärkt. Iran bleibt dagegen in konventioneller Hinsicht, auch im regionalen Kontext, ein militärisches Leichtgewicht. Der Beitrag skizziert die wichtigsten quantitativen und qualitativen Veränderungen in den Rüstungspolitiken dieser vier Länder und fragt nach den Motiven, Zielen und Wirkungen dieser neuen Rüstungsdynamik.

Analyse

  • China hat seinen Verteidigungshaushalt in den letzten zehn Jahren auf zuletzt 63 Mrd. USD verdreifacht. Die Rüstungsanstrengungen zielen auf die Erneuerung veralteter Waffensysteme und sind Ausdruck des globalen Gestaltungsanspruchs Beijings. Die konventionelle Aufrüstung wird in der Region als Bedrohung wahrgenommen.

  • Neu-Delhi verfolgt ebenfalls ein ambitioniertes Aufrüstungs- und Modernisierungsprogramm, auch um Indiens weltpolitisches Gewicht zu untermauern. Damit heizt Indien den Rüstungswettlauf mit China weiter an.

  • Trotz seiner großen militärischen Überlegenheit wird Brasilien in Südamerika nicht als Bedrohung wahrgenommen. Der Amazonasstaat pflegt gute Beziehungen zu allen Nachbarstaaten und flankiert seine konventionelle Aufrüstung mit verteidigungspolitischer Regionalkooperation.

  • Die Regionalmachtambitionen Teherans fußen nicht auf materiellen Ressourcen, sondern auf der potenziellen Atomwaffenfähigkeit und der damit verbundenen Verhandlungsmacht. Iranische Atomwaffen könnten zu einem nuklearen Wettrüsten und zur weiteren Destabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens führen.

  • Mit ihrer signifikanten Aufrüstung, die teils auf Atomprogramme, teils auch auf den Aufbau eigener Flugzeugträgerflotten setzt, verstärken die neuen Mächte militärische Asymetrien in ihren Regionen und beschleunigen bereits entfachte Rüstungswettläufe in Asien, Südamerika und im Nahen und Mittleren Osten.

GIGA-Forschung zum Thema

Vorgeschlagene Zitierweise

Dördrechter, Stefan, et al. (2010), Aufrüstung neuer Mächte: China, Indien, Brasilien und Iran, GIGA Focus Global, 01, urn:nbn:de:0168-ssoar-273960

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Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Global: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Dr. Daniel Flemes

Senior Research Fellow
Redaktion GIGA Focus Lateinamerika

Dr. Daniel Flemes ist Herausgeber des GIGA Focus Lateinamerika und Schumpeter Fellow der Volkswagenstiftung am GIGA Institut für Lateinamerika-Studien. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Brasiliens Politik und Gesellschaft.

Dr. Thorsten Wojczewski war von April 2013 bis September 2016 Mitglied im Doktorandenprogramm des GIGA und ist seit September 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Indien-Institut des King’s College London sowie assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter des GIGA. Seine Forschungsinteressen sind indische Außen- und Sicherheitspolitik, die Theorien der internationalen Beziehungen, Weltordnungspolitik und die Friedens- und Konfliktforschung.

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