GIGA Focus Global ,

Afrika im Sog der Eurokrise

GIGA Focus | Global | Nummer 02 | | ISSN 1862-3581

Die Eurokrise wird sich über den weltweiten Konjunkturzusammenhang auch auf Afrika auswirken. Mit angemessenen außenwirtschafts-, währungs- und fiskalpolitischen Maßnahmen könnten die afrikanischen Regierungen die negativen Folgen für ihre Länder jedoch abmildern.

Analyse
Zu Beginn des neuen Jahrtausends lag das Wirtschaftswachstum Afrikas über dem Weltdurchschnitt. Pro Kopf war der Zuwachs zwar zu gering für eine wirkliche Reduktion der Armut, aber absolut gesehen war das Wachstum in einigen Ländern so hoch, dass diese "afrikanischen Löwen" den Anschluss an die Entwicklung in anderen Kontinenten zu gewinnen schienen. Die erste Phase der Großen Rezession (2009) überstanden Afrikas Volkswirtschaften unbeschadet – mit Ausnahme Südafrikas und seiner Nachbarn. Im Jahr 2013 jedoch könnten weitere afrikanische Länder vom Sog der europäischen Krise erfasst werden.

  • Krisenimpulse werden über verschiedene Kanäle übertragen. Besonders wichtig sind abnehmende Warenexporte auf Grund des Nachfragerückgangs in Europa sowie der Rückgang im Tourismusgeschäft.

  • Geldüberweisungen der oft nur in prekären Verhältnissen arbeitenden afrikanischen Migranten an ihre Familien im Heimatland sinken, je länger die Massenarbeitslosigkeit in wichtigen Aufenthaltsländern andauert.

  • Europäische Banken ziehen sich aus risikoreichen Auslandsgeschäften zurück und können angesichts der sehr flachen Finanzsektoren afrikanischer Länder dort eine Kreditklemme auslösen.

  • Je kleiner die Binnenwirtschaft eines Landes und je stärker dessen Bindungen an Europa, desto größer ist die potenzielle Gefährdung durch die Eurokrise. Aber auch das einzige Schwellenland des Kontinents – Südafrika – kann den von Europa ausgehenden Krisenimpuls spüren.

  • Die Widerstandsfähigkeit gegen die Übertragung des Krisenimpulses ist abhängig von der Flexibilität des Privatsektors, vom fiskalischen Spielraum und von der Effizienz, mit der die Politik diesen Spielraum nutzt.

  • Ratsam sind eine pragmatische Geld- und Währungspolitik, eine antizyklische, investitionsorientierte Fiskalpolitik und eine auf Diversifikation und regionale Kooperation setzende Außenwirtschaftspolitik.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Bass, Hans-Heinrich, und Hans-Hermann Steinbeck (2013), Afrika im Sog der Eurokrise, GIGA Focus Global, 02, urn:nbn:de:0168-ssoar-336481

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Global: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach