GIGA Focus Africa

Neuer Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Afrika

Number 7 | 2008 | ISSN: 1862-3603


  • Der Ausbruch blutiger fremdenfeindlicher Unruhen in Südafrika im Mai dieses Jahres zeigte das Janusgesicht der angeblich kosmopolitischen "Regenbogennation". Aufgrund seiner Geschichte ist Südafrika die afrikanische Nation, in der Xenophobie mit am stärksten in den Köpfen der Bürger verankert ist. Der in vielen Ländern Afrikas aufkeimende neue Nationalismus beinhaltet auch eine politisch instrumentalisierte Abschottung und Ausgrenzung des Fremden. Zwei Hauptgründe dafür sind die zunehmende Mobilität der Menschen unter den Bedingungen der Globalisierung und die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich in Afrika und anderswo.

    Analyse

    • Der neu erwachende Nationalismus gehört zu den wichtigsten politischen Entwicklungen im Rahmen der zweiten Demokratisierungswelle in Afrika; er setzt sich trotz ethnischer Vielfalt und Staatszerfall durch. Dieser "zweite Nationalismus" unterscheidet sich in Ursachen und Auswirkungen wesentlich von der ersten Welle des afrikanischen Nationalismus der 1960er Jahre. Anders als dieser setzt er weniger auf Einschluss als auf Ausschluss von Bevölkerungsgruppen. Xenophobie ist der Fluch des neuen Nationalismus.

    • Transnationale Mobilität und Migration innerhalb Afrikas verstärken sich unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus. Viele afrikanische Gesellschaften haben jahrzehntelang Migranten erfolgreicher integriert als europäische Länder, stoßen aber jetzt an ihre innenpolitisch gesetzten Grenzen.

    • Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich, innerhalb und zwischen afrikanischen Staaten, führt zum Verdrängungswettbewerb zwischen den Migranten und den armen und perspektivlosen Schichten des Gastlandes. Die Ausgrenzung von den oft seit Generationen im Lande lebenden Migranten als "Bürger zweiter Klasse" durch die "wahren Volksgenossen" nimmt unter diesen Bedingungen zu, wenn der Staat nicht rechtzeitig gegensteuert.

    • Andauernde schlechte Regierungsführung leistet einem politisch instrumentalisierten Nationalismus und der Ausgrenzung von politischen Gegnern oder Sündenböcken als "Fremde" Vorschub.


    Footnotes




      Dirk Kohnert

      Dirk Kohnert

      Formerly Research Fellow




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