GIGA Focus Latin America

Die indigenen Völker Lateinamerikas: Zwischen zunehmender Selbstbestimmung und anhaltender Marginalisierung

Number 8 | 2010 | ISSN: 1862-3573


  • Perus Präsident Alan García wies im Juni 2010 ein Gesetz zurück, das die künftige Konsultation indigener Gemeinschaften vor dem Abbau von Bodenschätzen in ihren Lebensräumen regelte. García gingen die Konsultationsrechte zu weit; "nationale Interessen" seien wichtiger als jene einzelner Gemeinschaften. Ähnliche Konfliktlagen bestehen in Bolivien und Ecuador – beides Staaten, die bei der formellen Anerkennung der Rechte indigener Völker weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen.

    Analyse Seit den 1980er Jahren ist es in Lateinamerika zu einer vermehrten Anerkennung von Rechten indigener Völker und der Stärkung indigener Organisationen gekommen. Dennoch stößt die tatsächliche Gleichstellung indigener Völker mit der dominanten Gesellschaft an vielfältige Grenzen. Materielle Armut und gesellschaftliche Diskriminierung haben sich bisher nicht entscheidend verringert.

    • Die neuen Verfassungen Ecuadors (2008) und Boliviens (2009) zeichnen sich durch die umfassende Anerkennung von Menschenrechten sowie die Suche nach neuen Staats- und Entwicklungsmodellen aus.

    • Die Umsetzung der Verfassungstexte gestaltet sich schwierig. In Bolivien stößt die Schaffung eines plurinationalen Staates wegen historisch gewachsener Asymmetrien, fehlender Vorbilder und zahlreicher Interessenkonflikten an ihre Grenzen. In Ecuador klagen indigene Organisationen über "Hyper-Präsidentialismus" und die Verletzung des hehren Verfassungskonzeptes vom "Guten Leben" (Buen Vivir).

    • Über Bolivien und Ecuador hinaus ist in Lateinamerika umstritten, wie indigene Gemeinschaften v.a. beim Abbau von Bodenschätzen in ihren Siedlungsgebieten konsultiert werden müssen. Im Kern geht es darum, ob die Konsultation lediglich Mitsprache oder effektive Mitentscheidung bedeutet.

    • Für eine tatsächliche Gleichstellung der indigenen Völker bedarf es sowohl einer Veränderung der dominanten Entwicklungsmodelle als auch der Arbeit an (auch materiell) gleichwertigen interkulturellen Beziehungen.


    Footnotes


      Perus Präsident Alan García wies im Juni 2010 ein Gesetz zurück, das die künftige Konsultation indigener Gemeinschaften vor dem Abbau von Bodenschätzen in ihren Lebensräumen regelte. García gingen die Konsultationsrechte zu weit; "nationale Interessen" seien wichtiger als jene einzelner Gemeinschaften. Ähnliche Konfliktlagen bestehen in Bolivien und Ecuador – beides Staaten, die bei der formellen Anerkennung der Rechte indigener Völker weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen.

      Analyse Seit den 1980er Jahren ist es in Lateinamerika zu einer vermehrten Anerkennung von Rechten indigener Völker und der Stärkung indigener Organisationen gekommen. Dennoch stößt die tatsächliche Gleichstellung indigener Völker mit der dominanten Gesellschaft an vielfältige Grenzen. Materielle Armut und gesellschaftliche Diskriminierung haben sich bisher nicht entscheidend verringert.

      • Die neuen Verfassungen Ecuadors (2008) und Boliviens (2009) zeichnen sich durch die umfassende Anerkennung von Menschenrechten sowie die Suche nach neuen Staats- und Entwicklungsmodellen aus.

      • Die Umsetzung der Verfassungstexte gestaltet sich schwierig. In Bolivien stößt die Schaffung eines plurinationalen Staates wegen historisch gewachsener Asymmetrien, fehlender Vorbilder und zahlreicher Interessenkonflikten an ihre Grenzen. In Ecuador klagen indigene Organisationen über "Hyper-Präsidentialismus" und die Verletzung des hehren Verfassungskonzeptes vom "Guten Leben" (Buen Vivir).

      • Über Bolivien und Ecuador hinaus ist in Lateinamerika umstritten, wie indigene Gemeinschaften v.a. beim Abbau von Bodenschätzen in ihren Siedlungsgebieten konsultiert werden müssen. Im Kern geht es darum, ob die Konsultation lediglich Mitsprache oder effektive Mitentscheidung bedeutet.

      • Für eine tatsächliche Gleichstellung der indigenen Völker bedarf es sowohl einer Veränderung der dominanten Entwicklungsmodelle als auch der Arbeit an (auch materiell) gleichwertigen interkulturellen Beziehungen.



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      The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

      GIGA Focus Latin America | 4/2010

      Bolivien hat gewählt: Absolute Macht für Präsident Morales?

      Miguel Angel Buitrago Bascopé

      Former Doctoral Researcher

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