GIGA Focus Afrika ,

Neuer „Landraub“ in Afrika?

GIGA Focus | Afrika | Nummer 01 | | ISSN 1862-3603

Landpachten indischer Investoren in Madagaskar wecken erneut Ängste der Bevölkerung, meldet die madagassische Online-Zeitung La Gazette. Bereits 2009 war ein ähnliches Geschäft geplatzt und hatte zum Sturz des Präsidenten geführt. Damals hatte das südkoreanische Unternehmen Daewoo versucht, 1,3 Millionen Hektar Land – das entspricht in etwa der Fläche von Thüringen – für 99 Jahre zu pachten.

Analyse
Medien und Nichtregierungsorganisationen berichten vermehrt über sogenannte "Landnahmen" (land grabbing), den Ausverkauf afrikanischen Agrarlandes an ausländische Investoren. Auch die Weltbank und die Welternährungsorganisation (FAO) beschäftigen sich mit landwirtschaftlichen Großinvestitionen. Diese Debatte basiert bislang allerdings auf unzureichenden Informationen. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass das schlichte Bild des Landraubs für die Exportproduktion nicht zutrifft – die Realität ist viel komplexer.

  • Das Phänomen landwirtschaftlicher Großinvestitionen ist nicht neu. Aktuell wächst jedoch die Nachfrage nach der knappen Ressource Agrarland. Zudem treten neue und auch staatliche Investoren, etwa aus der Golfregion, auf.

  • Ein Problem ist bisher die Intransparenz der Vergabepraxis. Allerdings entsteht durch die Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit erheblicher Druck auf Regierungen und Investoren, größere Transparenz herzustellen.

  • Die möglichen Auswirkungen von Agrarinvestitionen sind vielfältig. Zu klären sind jeweils Fragen der Landnutzung, der Zugriffsrechte auf Land und der Kompensationsregelungen, wenn Konflikte mit der lokalen Bevölkerung vermieden werden sollen. Doch können solche Investitionen auch zur dringend benötigten Steigerung der Produktivität der afrikanischen Landwirtschaft beitragen.

  • Erste Forschungsergebnisse legen nahe, dass weder das Bild des gierigen "Landräubers", der Land stiehlt und Produkte exportiert, noch das Bild des wohltätigen Investors, der sich vor allem um die Entwicklung der ländlichen Räume Afrikas sorgt, richtig ist. Daher ist weder eine ausschließlich positive Bewertung noch eine grundsätzliche Ablehnung ausländischer Agrarinvestitionen sinnvoll.

GIGA-Forschung zum Thema

GIGA Focus Tabs

Vorgeschlagene Zitierweise

Lay, Jann, und Kerstin Nolte (2011), Neuer „Landraub“ in Afrika?, GIGA Focus Afrika, 01, urn:nbn:de:0168-ssoar-288871

Impressum

Creative Commons

Open Access

Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben. Auf die Nennung der weiblichen Form von Personen und Funktionen wird ausschließlich aus Gründen der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Gesamtredaktion GIGA Focus: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Redaktion GIGA Focus Afrika: Prof. Dr. Matthias Basedau

Apl. Prof. Dr. Jann Lay ist Leiter des GIGA Forschungsschwerpunkts 3 „Wachstum und Entwicklung“. Zudem ist er außerplanmäßiger Professor für Entwicklungsökonomie an der Georg-August-Universität Göttingen. Seine Forschung beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten wirtschaftlicher Entwicklung im Globalen Süden, insbesondere in Afrika, beispielsweise mit (informeller) Beschäftigung und Arbeitsmärkten, den Auswirkungen sogenannter „Land grabs“ sowie Energie- und Klimathemen.

Dr. Kerstin Nolte ist Research Fellow am GIGA Institut für Afrika-Studien.und Sprecherin des Forschungsteams Nachhaltige Entwicklung im GIGA Forschungsschwerpunkts 3: Wachstum und Entwicklung.

Aktuelle Publikationen der AutorInnen

Sebastian Renner / Jann Lay / Michael Schleicher

The effects of energy price changes: heterogeneous welfare impacts and energy poverty in Indonesia

Environment and Development Economics, 24, 2019, 2, 180-200

Claudia Dislich / Elisabeth Hettig / Jan Salecker / Johannes Heinonen / Jann Lay / Katrin M. Meyer / Kerstin Wiegand / Suria Tarigan

Land-use change in oil palm dominated tropical landscapes: an agent-based model to explore ecological and socio-economic trade-offs

PLOS ONE, 2018

Insa Flachsbarth / Simone Schotte / Jann Lay / Alberto Garrido

Rural structural change, poverty and income distribution: evidence from Peru

The Journal of Economic Inequality, 16, 2018, 4, 631-653

Sebastian Renner / Jann Lay / Hannes Greve

Household welfare and CO2 emission impacts of energy and carbon taxes in Mexico

Energy Economics, 72, 2018, 222-235