GIGA Focus Asia

Gegensätze in Zentralasien: China und Russland ziehen nicht an einem Strang

GIGA Focus | Asia | Number 11 | | ISSN 1862-359X

Die gewaltsame Besetzung von Südossetien und Teilen Georgiens durch russische »Friedenstruppen« im August 2008 unterstreicht die Bereitschaft Russlands, mit allen Mitteln die traditionellen Machtverhältnisse im Kaukasus aufrechtzuerhalten. Der Fünf-Tage-Krieg im Kaukasus hat darüber hinaus Russlands politische Stellung in Zentralasien zeitweise geschwächt. Auf dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Duschanbe wurde Russlands rasche Anerkennung der Souveränität Abchasiens und Südossetiens ignoriert. Insbesondere die chinesische Regierung versuchte die Auswirkungen auf Zentralasien zu verringern, da Anfang August in der Provinz Xinjiang separatistische Gruppierungen mehrere terroristische Anschläge verübt hatten. Die Ereignisse verweisen auf den wachsenden Stellenwert, den Zentralasien für die russische und die chinesische Außenpolitik einnimmt.

Analyse
Die anachronistische, militärisch geprägte Machtpolitik gegenüber Georgien erschüttert das Bild Russlands als wiederaufstrebende und verantwortungsbewusste Großmacht im internationalen System. Die Unterstützung separatistischer Anliegen irritiert Zentralasien, aber auch die Volksrepublik China. Bombenanschläge in der an Zentralasien grenzenden Provinz Xinjiang stellen für die chinesische Regierung eine ernsthafte Bedrohung dar. Zentralasien wird für Russland und China wichtiger.

  • Im Gegensatz zur Demonstration »harter Machtansprüche« im Kaukasus versucht die russische Regierung in Zentralasien mit einer »sanfteren« Politik Einfluss zu bewahren.

  • Trotz russischer Militärpräsenz und Kontrolle über die Ressourcen in Zentralasien hat es die VR China geschafft, sich dauerhaft in der Region zu behaupten.

  • Im Handel mit Zentralasien ist nicht auszuschließen, dass die VR China Russland in absehbarer Zeit überflügeln wird.

  • Russlands politische Entscheidungen »überlagern« nicht mehr die Ordnungsstrukturen in Zentralasien, vielmehr prägen dort verschiedene Großmächte die regionale Ordnung.

  • Die Stellung der SOZ und die Position der VR China gewinnen dabei an Einfluss.

  • Die Sicherheit und Wirtschaft in Zentralasien zu organisieren, bleibt ein Projekt »externer Akteure«. Eine eigene regionale Organisation fehlt.

Related Research at the GIGA

GIGA Focus Tabs

Suggested Citation Style

Godehardt, Nadine (2008), Gegensätze in Zentralasien: China und Russland ziehen nicht an einem Strang, GIGA Focus Asia, 11, urn:nbn:de:0168-ssoar-274974

Imprint

Creative Commons

Open Access

The GIGA Focus is an Open Access publication and can be read on the Internet and downloaded free of charge at www.giga-hamburg.de/en/giga-focus. According to the conditions of the Creative-Commons license Attribution-No Derivative Works 3.0 this publication may be freely duplicated, circulated and made accessible to the public. The particular conditions include the correct indication of the initial publication as GIGA Focus and no changes in or abbreviation of texts.

The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

General Editor GIGA Focus Series: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Editor GIGA Focus Asia: Prof. Dr. Heike Holbig