GIGA Focus Asia ,

Chinas neues Wirtschaftsmodell: Fahrt in tiefes Wasser

GIGA Focus | Asia | Number 05 | | ISSN 1862-359X

Der Nationale Volkskongress (NVK) bekräftigte auf seiner Jahrestagung Mitte März 2014 die Ziele des ambitionierten Restrukturierungsprogramms der neuen politischen Führung. Tief greifende Reformen werden das bestehende Wirtschaftsmodell verändern.

Analyse
Für Chinas graduellen Reformansatz steht das von Deng Xiaoping in den 1980er Jahren gezeichnete Bild des „Tastens nach Steinen beim Überqueren des Flusses“. Dass die Reformen inzwischen an einem kritischen Punkt und im „tiefen Wasser“ angelangt sind, betonte Ministerpräsident Li Keqiang in seinem Regierungsbericht vor dem NVK. Hierzu zählt die Neuausrichtung des Wirtschaftsmodells mit dem Übergang zu einem qualitativen Wachstum, das stärker binnenmarktorientiert, nachhaltiger und innovativer sein soll.

  • Chinas Wirtschaftsmodell ist an seine Grenzen gestoßen. Die bereits mehrfach angekündigte Neuausrichtung des chinesischen Wirtschaftssystems soll nun unter der neuen politischen Führung umgesetzt werden.

  • Im Zentrum der Neuausrichtung des Wirtschaftsmodells steht die veränderte Rolle des Staates in der Ressourcenallokation. Es geht vor allem um die Entscheidungsrechte der Unternehmen hinsichtlich Investition und Innovation sowie um den staatlichen Einfluss auf Güter- und Faktorpreise. Behörden werden auf ihre administrative Funktion beschränkt, um die Entscheidungsrechte der Unternehmen zu stärken.

  • Mehr Markt und mehr Privatwirtschaft stellen die dominante Stellung der Staatsunternehmen infrage. Das 60-Punkte-Reformprogramm, das im November 2013 beschlossen wurde, fordert die Abschaffung der Monopolstellung der Staatsunternehmen und will die Beteiligung privater Unternehmen stärker fördern.

  • Während wichtige Veränderungen am Wirtschaftsmodell zu erwarten sind, sollte nicht mit einer völligen Konvergenz zu westlichen Marktwirtschaften gerechnet werden. Bestimmte „chinesische Merkmale“ eines hybriden Wirtschaftssystems werden voraussichtlich auch weiterhin bestehen bleiben und die Diskussion um das „chinesische Modell“ prägen.

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Suggested Citation Style

Schüller, Margot, und Yun Schüler-Zhou (2014), Chinas neues Wirtschaftsmodell: Fahrt in tiefes Wasser, GIGA Focus Asia, 05, May, urn:nbn:de:0168-ssoar-388192

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The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

General Editor GIGA Focus Series: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Editor GIGA Focus Asia: Prof. Dr. Heike Holbig

Dr. Margot Schüller is an Associate at the GIGA Institute for Asian Studies. Her research focuses on China’s global economic integration, China’s innovation system, and German–Chinese economic relations.

Dr. Yun Schüler-Zhou is Senior Research Fellow at the German Mineral Resources Agency (DERA) of the Federal Institute for Geosciences and Natural Resources (BGR), as well as an associate researcher at the GIGA Institute for Asian Studies. Among her research interests are the Chinese raw materials industry, the going global of Chinese companies, as well as structural change and policy innovation in China.

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