GIGA Focus Global ,

Abhängigkeit von Energieimporten: Risiko für Deutschland und Europa?

GIGA Focus | Global | Number 08 | | ISSN 1862-3581

Wenige Wochen vor Beginn des Winters 2014 drohte der russische Präsident Wladimir Putin Europa mit einer Drosselung der Gaslieferungen, sollte die Ukraine die Transitpipeline anzapfen. Gleichzeitig prüfte die EU die Folgen eines möglichen Lieferstopps für ihre Mitglieder in einem Gas-Stresstest. Der Test ergab potenzielle Versorgungsprobleme für einige EU-Staaten.

Analyse
Deutschland und Europa sind im erheblichen Ausmaß von Energieimporten aus Russland abhängig. Das betrifft vor allem Erdgas, Erdöl und Steinkohle. Angesichts verschlechterter Beziehungen zu Russland werden Warnungen lauter, dass die russische Regierung mögliche Lieferstopps als politische Waffe im großen Stil einsetzen könnte. Zudem dienten die Einnahmen aus den Energieexporten Russland dazu, seine aggressive Außenpolitik zu finanzieren. Inwieweit sind diese Risiken und Befürchtungen ernst zu nehmen?

  • Viele Stimmen geben Entwarnung und verweisen auf fehlende Alternativen. Russland habe Verträge stets eingehalten, weil es selbst von den Einnahmen aus dem Energiegeschäft abhängig ist. Alternative Energiequellen seien zu teuer und andere Lieferländer ähnlich undemokratisch und korrupt wie Russland.

  • Für eine Risikoabschätzung ist einerseits zu prüfen, wie symmetrisch die wechselseitige Abhängigkeit von Lieferstaat und Empfängerstaat ist und andererseits, welche außenpolitische Orientierung ein Lieferstaat aufweist. Seine innere Verfasstheit spielt eine untergeordnete Rolle.

  • Das Risiko wächst im Fall einer Fortsetzung der konfrontativen Außenpolitik Russlands gegenüber dem Westen und dem „nahen Ausland“. Das Risiko erhöht sich auch, wenn es Russland gelingt, alternative Kunden wie China zu gewinnen, und Russland somit auf Deutschland und Europa als Abnehmer nicht mehr angewiesen sein würde.

  • Somit ist davor zu warnen, Alarm zu schlagen, aber auch Sorglosigkeit ist nicht angebracht. Die Energieabhängigkeit von Russland bleibt mittelfristig ein strategisches Risiko, das es vor allem durch eine reduzierte Energieabhängigkeit abzumildern gilt. Demzufolge sollte neben multilateralen politischen Maßnahmen vor allem bei der Diversifizierung von Lieferländern, -routen und -quellen sowie der Energieeffizienz angesetzt werden.

Related Research at the GIGA

GIGA Focus Tabs

Suggested Citation Style

Basedau, Matthias, und Kim Schultze (2014), Abhängigkeit von Energieimporten: Risiko für Deutschland und Europa?, GIGA Focus Global, 08, November, urn:nbn:de:0168-ssoar-405539

Imprint

Creative Commons

Open Access

The GIGA Focus is an Open Access publication and can be read on the Internet and downloaded free of charge at www.giga-hamburg.de/en/giga-focus. According to the conditions of the Creative-Commons license Attribution-No Derivative Works 3.0 this publication may be freely duplicated, circulated and made accessible to the public. The particular conditions include the correct indication of the initial publication as GIGA Focus and no changes in or abbreviation of texts.

The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

General Editor GIGA Focus Series: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Editor GIGA Focus Global: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

Prof. Dr. Matthias Basedau

Director of the GIGA Institute for African Affairs
Editor GIGA Focus Africa

Prof. Dr. Matthias Basedau is director of the GIGA Institute for African Affairs and professor of political science at the University of Hamburg. His research focuses on political institutions and armed conflicts, as well as how both are linked to ethnicity, religion, and natural resources. He is also the regional coordinator for Central and West Africa within the framework of the Bertelsmann Transformation Index.

Recent Publications by the Authors

Matthias Basedau

Party Systems in Africa

in: Nic Cheeseman (ed.), The Oxford Encyclopedia of African Politics, Oxford: Oxford University Press, forthcoming

Matthias Basedau / Vita Roy

Sleep, Bark, or Bite: Do Natural Resources Make the Difference Regarding Peaceful or Violent Conflict?

International Area Studies Review, 23, 2020, 1, 73-92

Matthias Basedau

Book Review: Africanistan - Development or Jihad? by Serge Mihailof

Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, 2019

Matthias Basedau

Die ‚African Renaissance‘: Möglichkeiten für die deutsche und europäische Afrikapolitik

in: Metis (ed.), Metis-Perspektiven: Afrika – der aufsteigende Kontinent, Berlin und München: Metis, 2019, 6-10