GIGA Focus Asia , ,

"One World, Different Dreams": Chinas Aufstieg und die Olympischen Spiele in Beijing

GIGA Focus | Asia | Number 08 | | ISSN 1862-359X

Am 8. August 2008 beginnen in Beijing die 29. Olympischen Spiele der Neuzeit unter dem Motto "One World, One Dream".

Analyse
Mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele hat die chinesische Führung große Erwartungen verknüpft. Man will sich als aufsteigende Wirtschaftsmacht und verantwortlicher global player präsentieren, auf das im Zuge der Reformen seit 1978 erreichte Lebensniveau verweisen, neue politische Schwerpunktsetzungen demonstrieren und nicht zuletzt durch einen reibungslosen, perfekten Ablauf die eigene Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Diesem Ziel standen von Beginn an die Erwartungen "des Westens" gegenüber, dass die Olympischen Spiele den Anlass zu politischen Liberalisierungsmaßnahmen und sozialem Ausgleich geben.

  • Die westlichen Hoffnungen auf politische Liberalisierung haben sich nicht erfüllt. Sie waren allerdings auch wenig realistisch, da sich China nicht nur in Größe und Beeinflussbarkeit von dem häufig zitierten "Vorbild" Südkorea/Seoul 1988 unterscheidet, sondern sich auch nicht in einem laufenden Prozess der Demokratisierung befindet, in dem die Spiele als Katalysator hätten wirken können.

  • Die nach innen gerichteten Erwartungen der chinesischen Parteiführung haben sich bislang weitgehend verwirklicht. Die Parteiherrschaft dürfte aus den Spielen gestärkt hervorgehen, da diese dazu beitragen, den Status der Kommunistischen Partei als Garantin wirtschaftlicher Modernisierung, gesellschaftlicher "Harmonie" und nationaler Selbstbestimmung zu legitimieren.

  • Nicht genutzt wurden die Spiele, um dem Trend der sozialen Segregation und Polarisierung entgegenzuwirken. Zwar haben sich die ohnehin häufig katastrophalen Wohn- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter in Beijing nicht unbedingt verschlechtert, aber auch nicht verbessert. Die Ausweitung regionaler und Stadt-Land-Disparitäten wurde ebenfalls nicht aufgehalten.

  • Die Spiele dürften damit kurzfristig in sozialer Hinsicht keine signifikanten Veränderungen bewirken und in politischer Hinsicht eher zu einer Konsolidierung der Parteiherrschaft beitragen.

Related Research at the GIGA

GIGA Focus Tabs

Suggested Citation Style

Holbig, Heike, Günter Schucher und Margot Schüller (2008), "One World, Different Dreams": Chinas Aufstieg und die Olympischen Spiele in Beijing, GIGA Focus Asia, 08, urn:nbn:de:0168-ssoar-275239

Imprint

Creative Commons

Open Access

The GIGA Focus is an Open Access publication and can be read on the Internet and downloaded free of charge at www.giga-hamburg.de/en/giga-focus. According to the conditions of the Creative-Commons license Attribution-No Derivative Works 3.0 this publication may be freely duplicated, circulated and made accessible to the public. The particular conditions include the correct indication of the initial publication as GIGA Focus and no changes in or abbreviation of texts.

The GIGA German Institute of Global and Area Studies – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

General Editor GIGA Focus Series: Prof. Dr. Sabine Kurtenbach
Editor GIGA Focus Asia: Prof. Dr. Heike Holbig

Prof. Dr. Heike Holbig

Senior Research Fellow
Editor GIGA Focus Asia

Prof. Dr. Heike Holbig is a senior research fellow at the GIGA Institute of Asian Studies and Professor of Political Science with a focus on Chinese and East Asian Area Studies at Goethe University Frankfurt. As a member of the GIGA’s Research Programme 1 “Accountability and Participation,” she focuses on state–society relations as well as ideological and organisational changes in the authoritarian party regime of the People’s Republic of China. Besides doing research on the domestic politics of China, she also studies the international dimensions of legitimation.

Dr. Margot Schüller is an Associate at the GIGA Institute of Asian Studies. Her research focuses on China’s global economic integration, China’s innovation system, and German–Chinese economic relations.

Recent Publications by the Authors

Markus Conlé / Rainer Frietsch / Axel Karpenstein / Peter Neuhäusler / Yun Schüler-Zhou / Margot Schüller / Iris Wieczorek

Monitoring des Asiatisch-Pazifischen Forschungsraums (APRA) mit Schwerpunkt China

Kooperation International, 2019

Margot Schüller

Chinas Wissenschaftssystem bietet den Akteuren starke Anreizstrukturen – mit unerwünschten Nebenwirkungen

Deutsch-Chinesische Plattform Innovation - Policy Briefs 2018 der deutschen Expertengruppe, 2018, 18-21

Margot Schüller / Milan Matthiesen

Chinas Grundlagenforschung: Ziele, Instrumente und Empfehlungen für die bilaterale Zusammenarbeit

Deutsch-Chinesische Plattform Innovation - Policy Briefs 2018 der deutschen Expertengruppe, 2018, 16-21

Bertram Lang / Heike Holbig

Civil Society Work in China: Trade-Offs and Opportunities for European NGOs

GIGA Focus Asia, 06/2018