GIGA Focus Global

"Marktbasierte Armutsreduzierung"? Mikroversicherung als Instrument der sozialen Sicherung

Number 10 | 2009 | ISSN: 1862-3581


  • Als Newcomer im Mikrofinanzmarkt werden Mikroversicherungen derzeit als vielversprechende Möglichkeit der sozialen Sicherung und Armutsreduzierung in Entwicklungsländern gehandelt. Auch die Privatwirtschaft zeigt großes Interesse an den bisher kaum erschlossenen Versicherungsmärkten der südlichen Weltregionen.

    Analyse Im Zuge des Erfolgs von Mikrokrediten und Mikrosparprodukten werden seit ungefähr einem Jahrzehnt auch Versicherungen an einkommensschwache Haushalte verkauft. Es besteht die Hoffnung, weite Teile der Bevölkerung, denen ein Zugang zu staatlichem Sozialversicherungsschutz fehlt, gegen schwere Notlagen abzusichern und damit ihre wirtschaftliche Existenz zu erhalten. Bislang können Mikroversicherungen trotz hohen Wachstumspotenzials aber nicht als Ersatz, sondern nur als Ergänzung staatlicher Wohlfahrtsinstrumente angesehen werden.

    • Zurzeit werden vorrangig obligatorische Gruppenversicherungen und insbesondere Kreditlebensversicherungen angeboten, die wenig risikoreich sind und oft unter dem Verdacht stehen, eher dem Schutz der Anbieter als dem der Kunden zu dienen.

    • Angesichts des globalen Klimawandels wird jedoch die Absicherung von Risiken, die viele gleichzeitig betreffen – wie Naturkatastrophen und Ernteausfälle, – immer wichtiger. Solche Risiken sind schwer zu versichern und entsprechende Programme, obwohl im Trend, erweisen sich bislang meist als ineffektiv und werden stark subventioniert.

    • Obwohl dieser Sektor noch klein und wenig diversifiziert ist, wird ihm für die nächsten Jahre ein enormes Wachstum vorausgesagt.

    • Um die Ausbreitung von Mikroversicherungen zu fördern, müssen zunächst rechtliche Rahmenbedingungen erarbeitet und eingerichtet werden.

    • Kernprobleme liegen zum einen darin, innovative Wege zu finden, um Policen günstig und ohne wesentliche Ausschlusskriterien anbieten zu können. Zum anderen ist eine grundlegende Bildung der (potenziellen) Kunden im Hinblick auf den Finanzsektor erforderlich. Hierfür sind langfristige Strategien sowohl von staatlicher Seite als auch von den Akteuren in der Entwicklungszusammenarbeit und nicht zuletzt den beteiligten großen Versicherungsunternehmen gefragt.


    Footnotes


      Als Newcomer im Mikrofinanzmarkt werden Mikroversicherungen derzeit als vielversprechende Möglichkeit der sozialen Sicherung und Armutsreduzierung in Entwicklungsländern gehandelt. Auch die Privatwirtschaft zeigt großes Interesse an den bisher kaum erschlossenen Versicherungsmärkten der südlichen Weltregionen.

      Analyse Im Zuge des Erfolgs von Mikrokrediten und Mikrosparprodukten werden seit ungefähr einem Jahrzehnt auch Versicherungen an einkommensschwache Haushalte verkauft. Es besteht die Hoffnung, weite Teile der Bevölkerung, denen ein Zugang zu staatlichem Sozialversicherungsschutz fehlt, gegen schwere Notlagen abzusichern und damit ihre wirtschaftliche Existenz zu erhalten. Bislang können Mikroversicherungen trotz hohen Wachstumspotenzials aber nicht als Ersatz, sondern nur als Ergänzung staatlicher Wohlfahrtsinstrumente angesehen werden.

      • Zurzeit werden vorrangig obligatorische Gruppenversicherungen und insbesondere Kreditlebensversicherungen angeboten, die wenig risikoreich sind und oft unter dem Verdacht stehen, eher dem Schutz der Anbieter als dem der Kunden zu dienen.

      • Angesichts des globalen Klimawandels wird jedoch die Absicherung von Risiken, die viele gleichzeitig betreffen – wie Naturkatastrophen und Ernteausfälle, – immer wichtiger. Solche Risiken sind schwer zu versichern und entsprechende Programme, obwohl im Trend, erweisen sich bislang meist als ineffektiv und werden stark subventioniert.

      • Obwohl dieser Sektor noch klein und wenig diversifiziert ist, wird ihm für die nächsten Jahre ein enormes Wachstum vorausgesagt.

      • Um die Ausbreitung von Mikroversicherungen zu fördern, müssen zunächst rechtliche Rahmenbedingungen erarbeitet und eingerichtet werden.

      • Kernprobleme liegen zum einen darin, innovative Wege zu finden, um Policen günstig und ohne wesentliche Ausschlusskriterien anbieten zu können. Zum anderen ist eine grundlegende Bildung der (potenziellen) Kunden im Hinblick auf den Finanzsektor erforderlich. Hierfür sind langfristige Strategien sowohl von staatlicher Seite als auch von den Akteuren in der Entwicklungszusammenarbeit und nicht zuletzt den beteiligten großen Versicherungsunternehmen gefragt.



      Dr. Lena Giesbert

      Formerly Associate

      lena.giesbert@gfa-group.de

      Janina Voss




      Imprint

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      The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

      GIGA Focus Global | 9/2012

      Financial Inclusion: Strategiewechsel in der Mikrofinanzierung

      Dr. Lena Giesbert

      Formerly Associate

      Sophia Sabrow

      Journal of Risk and Insurance | 2011

      Participation in Micro Life Insurance and the Use of Other Financial Services in Ghana

      Dr. Lena Giesbert

      Susan Steiner

      Mirko Bendig

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