GIGA Focus Global

Weltwirtschaftliche Schwerpunktverschiebung nach Asien?

Number 2 | 2008 | ISSN: 1862-3581


  • Politikberatende Institute in den etablierten Industriestaaten sind sich weitgehend darin einig, dass eine weltwirtschaftliche und damit auch weltpolitische Machtverschiebung vom atlantischen zum pazifischen Raum im Gange ist. Diese sei getrieben von den hohen Wachstumsraten der meisten asiatischen Staaten während der beiden letzten Dekaden, ihrer Öffnung zum Weltmarkt und der davon begleiteten Exportdynamik, den anhaltend hohen Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen und dem Aufbau massiver Devisenreserven. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei der nun schon drei Jahrzehnte anhaltende Aufstieg Chinas, neuerdings gefolgt von einer nicht minder spektakulären Wachstumsbeschleunigung Indiens. Beobachter sehen in dieser Entwicklung einen sich bereits deutlich ankündigenden "tektonischen Wandel" in der Weltwirtschaft und der Weltpolitik, einen Wandel vom unilateral von den USA dominierten System zu einem "trilateralen Zeitalter", geprägt von den Mächten USA, China und Indien.

    Analyse Bisher können aber einige Zweifel an diesem Szenario nicht ausgeräumt werden:

    • Es gibt Bedenken hinsichtlich der Solidität der Prognosen. Die lineare Fortsetzung der bisherigen, möglicherweise nicht durchzuhaltenden wirtschaftlichen Dynamik der asiatischen Schwergewichte ist problematisch.

    • In enger Beziehung zu diesem Zweifel steht die Sorge um die wirtschaftliche, soziale und politische Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Dynamik in China und Indien – angesichts der wegen gesellschaftlicher Widerstände schwer abzuarbeitenden Reformagenda.

    • Der sogenannte "tektonische Wandel" der Weltpolitik impliziert zwangsläufig auch mehr oder minder stark ausfallende Konflikte der aufsteigenden mit den etablierten Mächten um die Neuverteilung von Macht und Einfluss, die damit im Zusammenhang stehenden Anpassungslasten, die Sicherung knapper werdender Energieressourcen und die Verantwortung für globale Umweltbedingungen.


    Footnotes


      Politikberatende Institute in den etablierten Industriestaaten sind sich weitgehend darin einig, dass eine weltwirtschaftliche und damit auch weltpolitische Machtverschiebung vom atlantischen zum pazifischen Raum im Gange ist. Diese sei getrieben von den hohen Wachstumsraten der meisten asiatischen Staaten während der beiden letzten Dekaden, ihrer Öffnung zum Weltmarkt und der davon begleiteten Exportdynamik, den anhaltend hohen Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen und dem Aufbau massiver Devisenreserven. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei der nun schon drei Jahrzehnte anhaltende Aufstieg Chinas, neuerdings gefolgt von einer nicht minder spektakulären Wachstumsbeschleunigung Indiens. Beobachter sehen in dieser Entwicklung einen sich bereits deutlich ankündigenden "tektonischen Wandel" in der Weltwirtschaft und der Weltpolitik, einen Wandel vom unilateral von den USA dominierten System zu einem "trilateralen Zeitalter", geprägt von den Mächten USA, China und Indien.

      Analyse Bisher können aber einige Zweifel an diesem Szenario nicht ausgeräumt werden:

      • Es gibt Bedenken hinsichtlich der Solidität der Prognosen. Die lineare Fortsetzung der bisherigen, möglicherweise nicht durchzuhaltenden wirtschaftlichen Dynamik der asiatischen Schwergewichte ist problematisch.

      • In enger Beziehung zu diesem Zweifel steht die Sorge um die wirtschaftliche, soziale und politische Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Dynamik in China und Indien – angesichts der wegen gesellschaftlicher Widerstände schwer abzuarbeitenden Reformagenda.

      • Der sogenannte "tektonische Wandel" der Weltpolitik impliziert zwangsläufig auch mehr oder minder stark ausfallende Konflikte der aufsteigenden mit den etablierten Mächten um die Neuverteilung von Macht und Einfluss, die damit im Zusammenhang stehenden Anpassungslasten, die Sicherung knapper werdender Energieressourcen und die Verantwortung für globale Umweltbedingungen.



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      The German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg publishes the Focus series on Africa, Asia, Latin America, the Middle East and global issues. The GIGA Focus is edited and published by the GIGA. The views and opinions expressed are solely those of the authors and do not necessarily reflect those of the institute. Authors alone are responsible for the content of their articles. GIGA and the authors cannot be held liable for any errors and omissions, or for any consequences arising from the use of the information provided.

      GIGA Focus International Edition English | 4/2010

      China and India — The New Growth Engines of the Global Economy?

      Lisa Peterskovsky

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