GIGA Focus Middle East

50 Jahre Unabhängigkeit Algeriens: Konfliktbeladene Vergangenheit, schwierige Zukunft

Number 7 | 2012 | ISSN: 1862-3611


  • Am 5. Juli 2012 feiert Algerien mit zahlreichen Großveranstaltungen den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Frankreich. Nach einem blutigen Unabhängigkeitskrieg (1954-1962) hatte das Land unter Führung der Nationalen Befreiungsfront (FLN) das Selbstbestimmungsrecht erkämpft.

    Analyse Der Jahrestag der Unabhängigkeit hat in Algerien eine Flut von Publikationen und Debattenbeiträgen ausgelöst, in denen die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche postkoloniale Entwicklung des ressourcenreichen Landes bilanziert wird. Die 1954 eingeleitete "algerische Revolution" gilt angesichts der strukturellen Defizite in den Augen der meisten algerischen Analysten als gescheitert, zumindest als unvollendet.

    • Das politische System ist zwar seit der Verfassungsreform von 1989 plural, die FLN und insbesondere die Nationale Volksarmee stellen aber immer noch die dominanten Akteure dar, deren Führung als Vetomacht fungiert. Die Staatsführung hat bislang mit Repressionen, Kooptation und Subventionspolitik eine effektive Opposition und demokratische Reformen verhindert.

    • Die Wirtschaft lässt sich als eine auf der Extraktion von Erdöl und Erdgas basierende Rentenökonomie charakterisieren, die voll im Dienst des staatlichen Neopatrimonialismus steht. Die daraus resultierenden negativen Auswirkungen werden durch die Nachwirkungen des sozialistischen Entwicklungsexperimentes verschärft; zugleich gibt es Tendenzen zu einem Wirtschaftsnationalismus.

    • Die politischen Umbrüche in Nordafrika, als "Arabischer Frühling" bezeichnet, hatten bislang nur minimale Rückwirkungen auf Algerien, weil die fragmentierte Opposition zu keiner koordinierten Aktion fähig war und ist. Angesichts der Erfahrungen des Bürgerkrieges der 1990er Jahre stellten die islamistischen Parteien bei der Parlamentswahl im Mai 2012 keine Alternative dar.


    Footnotes


      Am 5. Juli 2012 feiert Algerien mit zahlreichen Großveranstaltungen den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Frankreich. Nach einem blutigen Unabhängigkeitskrieg (1954-1962) hatte das Land unter Führung der Nationalen Befreiungsfront (FLN) das Selbstbestimmungsrecht erkämpft.

      Analyse Der Jahrestag der Unabhängigkeit hat in Algerien eine Flut von Publikationen und Debattenbeiträgen ausgelöst, in denen die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche postkoloniale Entwicklung des ressourcenreichen Landes bilanziert wird. Die 1954 eingeleitete "algerische Revolution" gilt angesichts der strukturellen Defizite in den Augen der meisten algerischen Analysten als gescheitert, zumindest als unvollendet.

      • Das politische System ist zwar seit der Verfassungsreform von 1989 plural, die FLN und insbesondere die Nationale Volksarmee stellen aber immer noch die dominanten Akteure dar, deren Führung als Vetomacht fungiert. Die Staatsführung hat bislang mit Repressionen, Kooptation und Subventionspolitik eine effektive Opposition und demokratische Reformen verhindert.

      • Die Wirtschaft lässt sich als eine auf der Extraktion von Erdöl und Erdgas basierende Rentenökonomie charakterisieren, die voll im Dienst des staatlichen Neopatrimonialismus steht. Die daraus resultierenden negativen Auswirkungen werden durch die Nachwirkungen des sozialistischen Entwicklungsexperimentes verschärft; zugleich gibt es Tendenzen zu einem Wirtschaftsnationalismus.

      • Die politischen Umbrüche in Nordafrika, als "Arabischer Frühling" bezeichnet, hatten bislang nur minimale Rückwirkungen auf Algerien, weil die fragmentierte Opposition zu keiner koordinierten Aktion fähig war und ist. Angesichts der Erfahrungen des Bürgerkrieges der 1990er Jahre stellten die islamistischen Parteien bei der Parlamentswahl im Mai 2012 keine Alternative dar.



      Hanspeter Mattes

      Formerly Senior Research Fellow




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